Xoranya war etwas eingenickt, als das beständige Brummen der Maschinen plötzlich aufheulte und ein Ruck durch das Schiff ging.
„Wir werden langsamer,“ sagte Kondo und gab ihr ein Zeichen hinter den Kisten hervorzukommen. Xoranya stemmte sich an der Wand hoch und knickte kurz ein. Ihr Fuß war eingeschlafen und wollte den Rest des Körpers nicht mehr tragen. Sie zupfte ihre Verkleidung zurecht, die sie sich von den Orcs geborgt hatten, welche sie auf ihrem Weg ins Innere des Schiffes beseitigen mussten, um nicht entdeckt zu werden. Mit einem Nicken gen Kondo humpelte sie ihm hinterher zum Deck, wo sie erst einmal versuchten herauszufinden wo sie überhaupt waren.

Das Schiff fuhr gerade in einen Hafen ein, der von hohen Mauern umgeben war, auf denen zahllose Türme standen, zweifellos Bauwerke der Eisernen Horde. Die Luft war trocken und staubig und trug orcisches Kommandogebrüll an ihre Ohren. Boote sollten zu Wasser gelassen werden.
Die als Orcs verkleideten Menschen ließen sich auf der dem Festland abgewandten Seite des Schiffes an einer Strickleiter ins Wasser und schwammen an Land. Zunächst unbemerkt schlichen sie sich zwischen der im Hafen gestapelten Ladung hindurch und versuchten sich einen Überblick zu verschaffen.
„Wo beim Licht sind wir nur gelandet?“ flüsterte Xoranya zu Kondo.
„Hier rüstet sich eine Armee zum Angriff,“ erwiderte der, als ein gewaltiger Ogron ihr Versteck passierte. Sie beobachteten die Laufwege der Wachen und kamen an zahlreichen so gefürchteten Eisensternschleudern vorbei, die hier wohl auf ihren Abtransport zur Front warteten.
„Hier muss es doch einen Ausgang geben!“ Xoranya blickte nach oben, doch die Mauern schienen sie einzukesseln.
„Wir müssen ganz schön aufpassen, sonst schlagen sie Alarm,“ gab Kondo zu Bedenken. Noch war ihre Tarnung nicht aufgeflogen, aber sollten sie den Arbeitern und Soldaten zu nahe kommen, würde man sie erkennen.

Gefangenensuche1

Als sie den halben Hafen umrundet hatten, entdeckten sie etwas abgelegen die Spitzen von Zelten draeneiischer Machart in den Himmel ragen. Kondo war schon drauf und dran loszustürmen, als Xoranya ihn zurückhielt.
„Warte, wenn die uns so sehen, bringen die uns noch um.“
Beide legten ihre Verkleidung ab und kämpften sich den Rest des Weges durch die Wachen bis sie das Lager der Rangari erreicht hatten.

In Begleitung der Draenei befand sich auch ein Zwerg, Thaelin Schwarzamboss. „Hey, Leute! Wo kommt ihr denn her?“
Xoranya räusperte sich. „Ja, also….wir sind wohl als blinde Passagiere hierher gekommen.“
Kondo, der leicht hinter ihr stand, lachte. „Ja, eine gute Beschreibung!“
„Bitte was?“ Die Stimme des Zwergs kletterte eine Oktave.
„Ähm, ja. Auf dem Schiff, das da gerade eingelaufen ist.“ Xoranya deutete auf das Metallmonster, dass mittlerweile an einem Dock angelegt hatte und eine braun-schwarze Masse an Orcs in seinem Bauch verschlang.
„Das war gar nicht so einfach,“ bemerkte Kondo.
„Ist euch noch zu helfen? Ihr habt….Ach was reg ich mich eigentlich auf. Ihr lebt ja noch!“
„Naja, wir sind eigentlich auf der Suche nach gefangenen Draenei. Wir hatten gehofft, das Schiff würde uns zu ihnen bringen.“ Xoranya blickte mit einem war-wohl-nix-Gesichtsausdruck um sich.
„Hm, ja. Schlimme Sache, das ist nicht so meine Baustelle. Fragt doch mal die schmucke Lady da hinten.“ Der Zwerg deutete auf eine Rangari in einem der hinteren Zelte.

Beide dankten dem Zwerg und wandten sich an Rensela, die ihnen tatsächlich genaueres sagen konnte. „Sie karren sie aus ganz Draenor hierher, ob Männer, Frauen oder Kinder. Keiner wird verschont. Selbst Orcs von verfeindeten Klans werden verschleppt. Sie sind der Grund, warum die Eiserne Horde sich diese Materialschlacht leisten kann. Sie zwingen sie in der Blutschlägermine und an den Steinzornklippen im Frostfeuergrad zu arbeiten.“
„Als Sklaven also,“ warf Kondo ein.

Die Rangari stellten ihnen einen Feendrachen zur Verfügung, als sie erklärten, dass sie die Gefangen befreien wollten. Sie schwangen sich in die Luft, aus der erst das ganze Ausmaß der Hafenanlage ersichtlich wurde, und flogen über eine Grube hinweg, während sich im Osten die Silhouette der Schwarzfelsgießerei gegen den blauen Himmel erhob. Mit einem etwas flauen Gefühl im Magen, realisierte Xoranya erst jetzt welch unfassbares Glück sie gehabt hatten, dem Herzen der Eisernen Horde unbeschadet entkommen zu sein.

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