Xoranya nahm sich zuerst das Tagebuch vor, welches sie in Telaar gefunden hatten. Es besaß einen einfachen ledernen Einband und war nicht sehr aufwändig gestaltet. Der Titelseite war zu entnehmen, dass es sich um eine Art Chronik handelte, welche von Richter Khan erstellt wurde, offenbar dem höchsten Verwaltungsbeamten des Dorfes.
Die Chronik verzeichnete über viele Monate und Jahre hinweg die Aktivitäten des Kriegshymnenklans. Die ersten Einträge waren spärlich und über große Zeiträume verteilt. Sie beschränkten sich meist auf harmlose Sichtungen bei der Jagd und vorsichtige Annäherung durch Handel.
Seit ein paar Monaten aber häuften sich Eintragungen zu gewaltsamen Übergriffen.
Die letzten Einträge versuchte Xoranya möglichst wörtlich mit Hilfe einer in der Garnison stationierten Verteidigerin zu übertragen.

…Heute Nacht erfolgte wieder ein Angriff der Kriegshymnenorks. Sie scheinen es auf unsere Verteidigungspylonen abgesehen zu haben. Der Schutzschild ist nun nachts durchgehend aktiv. Tagsüber muss er aber abgeschaltet werden, um die Kristalle nicht zu überlasten. Konstrukteur Neevar hat zu bedenken gegeben, dass unter diesem Dauerbetrieb die Kristalle schneller ihre Energie verlieren und bald ausgetauscht werden müssen. Ich habe Kristallarbeiter zu den nahegelegenen Höhlen entsandt….

…Von den Kristallarbeitern kam nur einer lebend zurück. Er berichtete von einem bisher unbekannten Orkstamm, der sich in den Höhlen niedergelassen hat. Diese Orks sind eher schmächtig, haben bleiche Haut, leuchtende Augen und bewegen sich auf allen Vieren vorwärts. Sie sind sehr aggressiv und verteidigen ihre Höhlen bis zum Tod. Ich habe abgelehnt, sie von dort zu vertreiben, um an die benötigten Kristalle zu kommen. Wir werden einen anderen Weg finden. Vorsorglich habe ich einen Boten nach Talador zur Jorunmine geschickt. Der Weg ist zwar ungleich weiter und aufgrund der Überfälle durch Orks gefährlicher geworden, doch wenn wir beginnen Lebewesen für unseren Nutzen zu töten und zu vertreiben, handeln wir wider das Licht. Manche vergessen allzu schnell, dass wir in diesem Land nur Gäste sind und es nicht achtlos unseren Bedürfnissen unterwerfen können…

…Ein Verteidigungspylon ist ausgefallen. Dem Licht sei Dank erfolgte schon seit einigen Tagen kein Angriff mehr. Wir dürfen bald eine Lieferung neuer Kristalle aus Talador erwarten. Neevar ist mit einem Erkundungstrupp nach Norden aufgebrochen, um eine bisher unerforschte Höhle zu untersuchen. Seine Messungen haben ergeben, dass sich dort eine enorme Kraftquelle unbekannten Ursprungs befindet…

…Der Angriff kam überraschend, konnte aber von unseren Verteidigern zurückgeschlagen werden. Leider gelang es den Orks Gefangene zu machen. Wir glauben, dass sie nach Grommashar gebracht wurden. Ich habe einen Unterhändler dorthin geschickt, um ihre Freilassung zu verhandeln….

…Seelenbinderin Ayaami berichtete von einem Aufruhr in der Geisterwelt, der sich immer mehr verstärke. Die Seelen der verstorbenen Orks, welche am Ahnengrund beerdigt wurden, werden seither von K’ure in der Genedar angezogen, um sich mit ihm und dem Licht zu vereinigen. Doch nun scheinen sie gegen ihren Willen gequält zu werden und eine neue Präsenz zu speisen. Ich habe zugestimmt, ihr einige Verteidiger zur Verfügung zu stellen, um dem Phänomen nachzugehen. Neevar ist von seiner Erkundung zurückgekehrt und berichtete von einem faszinierenden Artefakt, das so alt sein musste wie diese Welt selbst und das er in der Höhle gefunden habe. Er werde eine Apparatur konstruieren, welche die Kraft des Artefakts nutzbar macht…

…Der Unterhändler kam heute zurück. Man hatte ihn enthauptet und seinen leblosen Körper an den Talbuk gebunden, der ihn herbrachte. Die Stimmung in der Bevölkerung ist besorgt bis ängstlich. Die Verteidigungspylonen könnten das Schutzschild kaum eine Stunde aufrecht erhalten, so dass es nur noch bei einem Angriff aktiviert wird. Die Lieferung aus Talador ist immer noch nicht eingetroffen…

…Ayaami berichtete davon, dass die Orks begonnen haben die alten schamanistischen Kultstätten um Oshu’gun mit dunkler Magie zu entweihen. Es sammeln sich dort Zauberer, die mit Schattenmagie hantieren. Sie hat eine Gefahr für K’ure erkannt. Eine dunkle Präsenz sammelt sich in der Genedar und wir können nichts dagegen tun…

…Die Orks haben Neevar verschleppt. Ihr Angriff erfolgte gezielt und lief schnell von statten. Das Schutzschild war noch gar nicht richtig aufgebaut, da waren sie auch schon verschwunden. Mit Neevar nahmen sie auch alle seine Aufzeichnungen und den Prototyp seiner Apparatur mit, an der er tagein tagaus arbeitete….

…Die Kristalle aus Talador sind immer noch nicht eingetroffen. Die Rangari beobachten Grommashar unentwegt, um einen Rettungseinsatz für Neevar zu planen. Doch die Siedlung ist in den letzten Monaten erheblich verstärkt worden. Schwere Kriegsmaschinen, die ich noch nie zuvor gesehen habe, rollen vom neu errichteten Hafen an. Ich frage mich, wie die Orks unbemerkt solch einen technologischen Entwicklungssprung haben machen können. Zur Information schicke ich mehrere Boten nach Shattrath, Auchindoun und Karabor. Etwas Seltsames geht hier vor…

…Wir sind abgeschnitten und auf uns alleine gestellt. Die Orks haben die Köpfe der Boten von einem Felsvorsprung über der Stadt hinunter geworfen, so dass sie auf dem zentralen Platz zu liegen kamen. Ihr Lachen wurde dabei von dröhnendem Trommelschlag begleitet. Die Trommeln schlagen dieser Tage auch wieder nachts…

Hier endete die Chronik abrupt und diese Seite war auch aufgeschlagen, als Xoranya und Kondo das Buch in dem letzten Haus gefunden hatten.
Ein kalter Schauer lief ihr über den Rücken, als sie sich vergegenwärtigte was sich nach dem letzten Eintrag in Telaar zugetragen haben mochte.
Kondo musste vom Inhalt dieses Buches erfahren.

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