Der kleine Feendrache, den sie von Eierhüter Aloron erhalten hatten, war mittlerweile geschlüpft und ein ausgesprochen quirliges kleines Kerlchen. Er flatterte den ganzen Tag in der Garnison herum, so dass Xoranya Schwierigkeiten hatte, ihn im Auge zu behalten. Aber freundlicherweise achteten die Torwachen darauf, dass er den schützenden Mauern nicht entwischte. Jordan hatte große Freude daran, sich um das Tierchen zu kümmern und versuchte verzweifelt ihm das Apportieren beizubringen. Doch der kleine Feenflitzer hatte ganz andere Dinge im Kopf und spielte lieber Fangen mit den übrigen tierischen Bewohnern der Garnison.

Seit sie zurückgekehrt waren, hatte Xoranya sich wieder intensiver mit der Kristallprobe beschäftigt, die sie aus dem schimmernden Wald mitgenommen hatten. Er schien eine heilende und stärkende Wirkung zu haben und wurde bei der Aufzucht der Feendrachen verwendet. Um mehr darüber zu erfahren, sprach sie mit Konstrukteur Romuul. Er erzählte ihr davon, dass es sehr viele verschiedene Kristalle auf ganz Draenor gab, die ganz unterschiedliche Wirkung hatten. Jeder hatte seine eigene unverwechselbare magische Signatur, die Aufschluss über seinen Ursprung und seine Verwendung lieferte. Wenn sie sich mehr für dieses Thema interessierte, sollte sie Konstrukteur Neevar in Telaar in Nagrand aufsuchen.
Als sie Kondo davon erzählte, war auch er hellauf begeistert und sehr interessiert daran, mehr über die Geheimnisse dieser Kristalle, die so allgegenwärtig in der Architektur und im Leben der Draenei waren, zu erfahren. Also beschlossen sie nach Telaar zu reisen und den Konstrukteur zu besuchen.

Telaar1

Nagrand war ein weites, helles Land mit saftig grünen Wiesen, auf denen Herden verschiedenster Tierarten grasten. An der Telaaristation, wo die Allianz einen kleinen Außenposten errichtet hatte, besorgten sie sich ein paar Talbuks und machten sich auf den Weg zur Draeneisiedlung. Unterwegs staunten sie über die üppige Vegetation und die zahlreichen Tiere.
„Hier kann man bestimmt gut jagen!“, warf Kondo ein.
„Wenn man mit einem Gewehr umgehen kann. Das ist genau die Waffe, mit der ich gar nichts anfangen kann,“ lachte Xoranya.
Schon von Weitem konnte man die spitzen Dächer erkennen, doch als sie sich dem Dorfeingang näherten bemerkten sie Leichen auf dem Weg. Ein Kampf hatte hier stattgefunden.
Xoranya untersuchte den Körper eines Draenei, aber er war schon tot. Über dem Dorf lag eine gespenstische Ruhe. Langsam gingen sie weiter mit gezogenen Waffen über eine Brücke, als sie Orks in dem nächstgelegenen Haus entdeckten. Sie stürmten das Haus und töten alle Orks, in der Hoffnung noch lebende Bewohner retten zu können.

Doch das Haus war verlassen. Sie fanden Schmuck, Kristalle und allerlei Gegenstände, die darauf schließen ließen, dass hier ein Juwelier gearbeitet hatte. Doch er schien alles stehen und liegen gelassen zu haben, als er flüchtete. Sie eilten zum nächsten Haus, doch bei diesem war die Inneneinrichtung komplett zerstört und verbrannt worden. Vor dem Haus fanden sie eine tote Bürgerin und erteilten ihr den letzten Segen.

Telaar2
Kondo konnte die marodierenden Orks als Angehörige des Kriegshymnenklans identifizieren. Der Überfall trug ganz ihre Handschrift von Raub und Verwüstung. Sie kämpften sich den Weg zum nächsten Haus frei, das auch noch intakt war.
Auf einem Kinderbett lag ein zurückgelassener Plüschelekk und Xoranya mochte gar nicht daran denken, was die Orks mit den Frauen und Kindern des Dorfes getan hatten. Auf dem großen Bett fanden sie ein noch aufgeschlagenes Buch, dass wie ein Tagebuch aussah. Doch auf die Schnelle konnte Xoranya die Schrift nicht entziffern, also packte sie es ein. Vielleicht gab es Aufschluss darüber, was hier passiert war. In einem Regal standen noch viele weitere Bücher, aber alle konnten sie nicht retten. Kondo entdeckte ein Kochbuch und steckte es ein und Xoranya fand eine Art Lexikon über Kristalle. Alles andere ließen sie, so wie sie es vorgefunden hatten.

Telaar3
Draußen suchten sie nach weiteren Hinweisen. Am Stadtrand fanden sie die Verteidigungskristalle, die seltsam schimmerten und pulsierten. Es sah wunderschön aus, aber Xoranya kam das seltsam vor. Normalerweise gingen von solchen Kristallen Strahlen aus, die sich im Zentrum trafen und einen Schutzschild über die Stadt warfen. Diese Kristalle mussten also kaputt sein. Doch wie man sie wieder reparieren konnte, das wusste sie nicht. Auf ihrem Rundgang fanden sie keine toten Draenei mehr, aber leider auch keine Lebenden.

Mit schwerem Herzen verließen sie Telaar wieder und überlegten, wie sie herausfinden konnten, was mit den Einwohnern passiert war. Vielleicht war das Tagebuch ein Hinweis, aber Kondo hatte noch eine andere Idee. Er kannte einen Ork, der von seinem Klan verstoßen worden war und im Exil in der Garnison lebte. Dort nahm er jeden Auftrag entgegen und erfüllte diese wohl auch recht zuverlässig. Kondo wusste nicht, ob man ihm trauen kann, aber vielleicht lohnte es sich dennoch ihn einmal zu befragen. Und wenn sie sich auch mit den Rangari austauschten, konnte vielleicht ein etwas klareres Bild entstehen.
Xoranya war auf dem Rückweg zur Telaaristation bedeutend schweigsamer als zuvor. Kondo bemerkte, dass ihr das Erlebte zu schaffen machte und sprach einige aufmunternde Worte.
Nachdem sie die Talbuks zurückgegeben hatten, nahm er ihre Hände.
Xoranya sah zu ihm auf und sagte: „Wir werden die Bewohner rächen, ja?“
„Wo Schatten ist, da ist auch Licht. Es muss immer ein Gleichgewicht geben. Ja, wir werden das Gleichgewicht wieder herstellen. Dazu sind wir verpflichtet.“
Mit neuer Hoffnung schwangen sie sich auf die Greifen und flogen zurück nach Mondsturz.

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