Die Zeit vor Winterhauch ließ Eisenschmiede für wenige Wochen zum Zentrum des Weltgeschehens werden. In der großen Halle zwischen Bank und Auktionshaus hatten sich Altvater Winter und die Kokelwälder-Goblins eingerichtet. Um einen reich geschmückten Tannenbaum stapelten sich die Geschenke, die erwartungsvoll bestaunt und betatscht wurden. Selbst gestandene Krieger und erhabene Elfen wirkten wie kleine Kinder, deren Augen vor Freude zu leuchten begannen. Doch zunächst galt es den alten Mann mit Rauschebart mit Gebäck und Getränken wohlwollend zu stimmen und sich mit allerlei Winterhauchkram aus dem Hause Kokelwälder einzudecken. Xoranya stand inmitten dieses Treibens und wartete auf Kondo.

Sie war schon sehr aufgeregt, den heute wollten sie den Ort aufsuchen, von dem Eierhüter Aloron ihnen erzählt hatte. Nicht einmal im entferntesten konnte sie sich vorstellen, was das für ein magisches Erlebnis sein sollte, das er ihnen versprochen hatte. In Gedanken merkte sie nicht, wie Kondo von hinten an sie herantrat und schreckte auf, als sie seine Stimme hörte. Beide umarmten und küssten sich, ungeachtet der vielen Menschen, Zwerge und anderen Winterhauchbesucher, die sich achtlos an ihnen vorbeischoben. Sie drängten sich aus der Menge und warteten auf das Mammut, welches Kondo für die lange Reise in den Norden gebucht hatte.

Doch sie mussten gar nicht lange warten, da trabte es schon herbei und sie schwangen sich in die Sattel. Kondo reichte Xoranya eine warme Decke, die sie auch dringend brauchen würde, denn der Winter in Dun Morogh war kalt und der Wind eisig. Langsam wackelte das Mammut aus dem großen Tor von Eisenschmiede und den Berghang hinab. Von dort ließ Kondo es in leichten Trab verfallen, was beide ordentlich durchschüttelte und Kondo einen Schluckauf verpasste.
Xoranya musste so sehr lachen, dass auch sie einen Schluckauf bekam, was sie dann aber gar nicht mehr so lustig fand. Kondo versuchte sie zu erschrecken, damit der Schluckauf aufhörte, aber das hatte eher den gegenteiligen Effekt. Also versuchte sie die Luft anzuhalten, bis ihr Gesicht rot anlief. So hatten sie schon ein Großteil der Reise hinter sich gebracht, als beide schluckauffrei im Arathihochland ankamen. Der Schnee Khaz Modans und die Nebel des Sumpflandes lagen hinter ihnen und Kondo zügelte das Tempo, während sie die friedliche Landschaft genossen.
„Weißt du noch? Unsere erste gemeinsame Mission führte uns beide durch dieses Land bis nach Süderstade.“ Xoranya blickte um sich und hatte plötzlich das Gefühl, dass schon eine halbe Ewigkeit vergangen war, seit sie das letzte Mal hier war.
Kondo nickte und zeigte zu einem kleinen Hügel auf der rechten Seite. „Ja, das ist lange her. Wir müssen bei der Zuflucht auf Reittiere umsteigen, da die Straße ins Hügelland von den Verlassenen kontrolliert wird.“
Nach einer kurzen Diskussion war der Greifenmeister auch bereit, ihnen ein Tier zu leihen. Kein Wunder, lag ihr Ziel doch tief im Silberwald verborgen, weit hinter den feindlichen Linien.

Als sie über Süderstade hinwegflogen, ergriff beide eine stille Wehmut. Die giftgrünen Rauchschwaden, die von der Stadt forttrieben ließen nur erahnen, was die Verlassenen mit der einst friedlichen Stadt angestellt hatten. Und auch dort wo einst ihr Haus gestanden war, erhoben sich dunkle Mauern und warfen große Schatten in die Abenddämmerung.
Kondo lenkte den Greifen über die dichten Wälder und wich den Siedlungen der Verlassenen aus, die schon von Weitem an dem süßlichen Gestank des Untodes auszumachen waren. Nur einmal kamen sie einer Stellung doch etwas zu nahe, so dass man das Feuer auf sie eröffnete. Doch Kondo stieg sogleich wieder hoch in die Luft und schnell waren sie außer Reichweite der feindlichen Geschütze.

Schließlich landeten sie mitten in einem Wald an der nördlichen Küste. Hier gab es keine wilden Tiere und die Natur schien noch frei von der Seuche zu sein. Sie folgten der Zeichnung auf der Karte, die Eierhüter Aloron ihnen gegeben hatte und kamen schließlich zu einer kleinen Lichtung auf der mannshohe Pilze in einem großen Kreis angeordnet waren. Vorsichtig traten sie in den Kreis und sahen sich neugierig um.

Pilzkreis1

Die Pilze schienen zu pulsieren als ginge eine Art von Magie von ihnen aus. Noch bevor Xoranya etwas hätte sagen können, berührte Kondo einen und erhielt als Quittung einen Schlag und sein Finger begann zu leuchten.
Seufzend schüttelte sie den Kopf. „Lass das lieber. Ich finde das Ganze hier sehr merkwürdig.“
Xoranya betrachtete den Boden unter ihren Füßen, der verwelkt und braun war, so als hätte man das Leben aus ihm gezogen.
„Schau mal! Feendrachen!“ Kondos freudiger Ausruf ließ sie aufblicken. Mit offenem Mund bestaunte sie was um sie herum nun geschah.

Wie aus dem Nichts waren kleine Feendrachen erschienen, die sich langsam dem Pilzkreis näherten. Sie umringen den Kreis und blickten in dessen Mitte, als warteten sie auf etwas. Als es etwa ein Dutzend waren, erklang eine sphärische Melodie und goldene Lichtstrahlen formten sich von den Feendrachen, die in der Mitte des Kreises zusammenstießen. Xoranya fühlte sich von Frieden und Ruhe erfüllt und lauschte. Da kamen Rehe und Hirsche aus dem Wald und bestaunten das magische Geschehen. Nach einiger Zeit verblassten die Lichtstrahlen und die Feendrachen und alle Tiere des Waldes entfernten sich wieder. Zurück blieben die beiden Paladine, die kaum Worte finden konnten, für das was sie gerade erlebt hatten.

Pilzkreis2

„Ein wahrhaft magisches Erlebnis“, sagte Kondo schließlich. „Der Eierhüter hat nicht zu viel versprochen.“
„Fantastisch“, Xoranya drehte sich mehrmals im Kreis. „Was das wohl zu bedeuten hat?“
Kondo zuckte mit den Schultern und führte sie aus dem Kreis heraus. Der Abend war schon weit fortgeschritten und sie hatten die Zeit völlig aus den Augen verloren. Da sie noch nach Eisenschmiede zurückfliegen mussten, verließen sie diesen besonderen Ort mit etwas Wehmut.

In Eisenschmiede angekommen gönnten sie sich noch eine heiße Hühnersuppe in einer Taverne um sich aufzuwärmen. Sie sinnierten über das was sie gesehen hatten und beschlossen Aloron zu befragen, was es mit diesem Ort und Geschehen auf sich hatte. In tiefer Ehrfurcht vor den Geheimnissen dieser Welt suchten sie ein Bett für die Nacht und schliefen schnell ein.

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