Xoranya kam das alles sehr merkwürdig vor. Dies sollte Draenor sein, das alte ursprüngliche Draenor bevor er zur Scherbenwelt wurde. Doch wie konnte das sein? Jeder Gedanke, den sie daran verschwendete, verursachte Kopfschmerzen. Also beschloss sie nicht weiter darüber nachzudenken und diese urtümliche Welt für sich zu erkunden. Jordan war es bald leid, die Garnison nicht verlassen zu dürfen, war er doch in Pandaria ohne Verbote und Wenns und Abers aufgewachsen. Irgendwann waren alle Ecken ausgekundschaftet, die Lager im Gasthaus und die Scheune auf den Kopf gestellt und die Zootiere oft genug quer durch die ganze Garnison gejagt worden, so dass sich Beschwerden über den ruhelosen Jungen zu häufen begannen. Auch der eigens bestellte Hauslehrer klagte über fehlende Konzentration und öfter als es ihr lieb war, musste Xoranya Jordan eine Standpauke wegen schlechtem Benehmen und Faulheit halten.

Kondo war meist unterwegs im Kampf gegen Dämonen, Oger, die Eiserne Horde oder wenn irgendwelche urtümlichen Monster meinten, einen der Außenposten dem Erdboden gleichmachen zu wollen. Ein friedliches Leben hatte sie sich anders vorgestellt. Aber war ihr Leben je friedlich gewesen? Würde es je so sein?

Also beschloss sie Jordans Lehrstunden weg von staubigen Büchern hinaus in die Welt zu verlegen. Das Schattenmondtal, in dem sich die Garnison befand, war das Heimatland der Draenei und recht friedvoll. Die Städte Embaari und Elodor lockten mit ihren ausgefallenen Waren und der unvergleichlichen Bauweise aus metallenen und kristallinen Strukturen. Es gab so vieles zu entdecken und zu lernen. Xoranya war fasziniert von der Arbeit der Kristallbauer und lernte viele neue Methoden Edelsteinen durch den richtigen Schliff die ihnen inne wohnende Magie zu entlocken. Jordan fand schnell neue Freunde unter den Draeneikindern und hatte im Handumdrehen die fremde Sprache gelernt. Mit Zufriedenheit bemerkte sie sein Interesse für den Tempel von Karabor und den Lichtglauben der Draenei. Bei einem Besuch durfte er den Kristallhammer eines Verteidigers halten, der größer war als er selbst. Mit verkrampftem Gesicht bemühte er sich ihn nicht fallen zu lassen, um sich nicht die Blöße zu geben eben doch noch ein Kind zu sein.

Seither hatte sich Jordans Verhalten von Grund auf gewandelt. Kaum ein Tag verging, dass er nicht Xoranya oder Kondo Fragen über die Lebewesen, Landschaften und Bewohner Draenors stellte. Heimlich versteckte er sich abends im Gasthaus und lauschte den Erzählungen der Soldaten, die von ihren Einsätzen heimkehrten und abenteuerliche Geschichten zu berichten wussten.

Eines Morgens stand Jordan vor Xoranyas Bett, als sie die Augen aufschlug und stemmte seine Hände in die Hüften. „Mama, ich brauche eine Rüstung!“

„Aber wozu denn, mein Schatz?“ Verschlafen setzte sie sich im Bett auf und schaute zu Kondo, der erst von einer längeren Mission zurückgekehrt war und selig schlief.

„Ich will Soldat werden und gegen Orcs kämpfen!“ Er breitete die Arme aus und machte ein Gesicht dazu, als müsste er seiner Mutter das selbst verständlichste der Welt erklären.

„Das kannst du auch noch, wenn du groß und stark bist, mein Schatz!“ Xoranya legte ihre Hand auf seine Schulter und lächelte ihn an.

Jordan zog eine Schnute und brüllte: „Du verstehst das nicht!“ Wütend stampfte er die Treppe runter. Kondo drehte sich verschlafen um. „Was ist los?“

Xoranya legte sich wieder hin und umarmte ihn. „Dein Sohn will ein Held werden.“ Sie hauchte ihm einen Kuss auf den Mund.

„Das hat doch noch Zeit.“ Kondo zog sie zu sich und strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht.

„Ja, sag IHM das mal!“

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s