Jordan war schon den ganzen Tag aufgeregt und konnte es gar nicht erwarten, dass die Reise endlich begann. Xoranya holte bei Gina eine Reitziege ab, welche sie als Leihgabe erbeten hatte und nun fehlte nur noch Kondo. Auf einem Yak, unter dessen langem, zotteligen Fell man kaum die Beine erkennen konnte, trabte er schließlich heran. Xoranya umarmte ihn sehnsüchtig, doch keinen Augenblick später hatte sich Jordan schon zwischen die beiden geschoben und wollte auf Kondos Arm. Den ließ er auch so schnell nicht mehr los, bis er seinen kleinen Dickschädel durchgesetzt hatte und auf Papas Yak mitreiten durfte.

Bilder Upload

Das wuselige Treiben auf dem Markt von Halbhügel hinter sich lassend, folgten sie dem Weg nach Osten über saftig grüne Wiesen und an mehreren Bauernhöfen vorbei bis ihnen rechter Hand der Wasserfall des Huangtze begegnete. Über dem Horizont kündeten dunkle Wolken von herannahendem Regen. Nach einem weiteren Wegstück überquerten sie eine Brücke über diesen größten Fluss Pandarias der irgendwo im Kun-Lai seine Quelle hatte. Auf der anderen Seite des Huangtze lag die Krasarangwildnis, wo sie das Gewitter schießlich einholte.
In Zhus Wacht suchten sie Unterschlupf und aßen eine wärmende Suppe. Doch die Einwohner des Ortes waren wider Erwarten ziemlich mürrisch und nicht so gastfreundlich wie man es sonst gewohnt war. Irgendwie erschien der ganze Ort ziemlich unheimlich, so dass sie sich gleich wieder auf den Weg machten, als der Regen nachgelassen hatte.

Die Krasarangwildnis war ein dichter Dschungel, aus dessen Unterholz seltsame Tierlaute drangen, deren Ursprung man lieber nicht so gerne erkunden mochte. Überall kreuchte und fleuchte es von Insekten und Schlangen. Sie kamen an verfallenen Ruinen vorbei, die von einer längst verfallenen Hochkultur zeugten. An einer Wegkreuzung lagen mehrere Kadaver von Tigern, denen man in lebendigem Zustand lieber nicht begegnete. Auf ihrem Weg kamen sie an einem Außenposten der Nachtelfen vorbei, den sie links liegen ließen. Als sie tiefer in den Dschungel ritten versperrten ihnen zwei Wachen der Mogu den Weg. Xoranya schlich durch das Gebüsch, um nachzusehen ob sich hinter dem bewachten Tor noch weitere Mogu aufhielten. Doch der Abstand zur nächsten Wachgruppe war groß genug, so dass sie die beiden Ungetüme ausschalten und ihre Tiere an den Ruinen im Schutz eines kleinen Hügels vorbeiführen konnten. Bis die toten Späher entdeckt würden, waren sie schon lange außer Reichweite.

Kondo wurde als erster auf die Beschilderung aufmerksam, die ihnen den Weg zum Tempel des roten Kranichs wies. Zwischen den Bäumen zeichneten sich die gewaltigen Umrisse der Tempelanlage ab und als sie endlich davor standen verschlug es beiden die Sprache.
Doch etwas war nicht richtig. Um den Tempel trotteten eingeknickte Pandaren mit verzweifeltem Gesichtsausdruck. Schwarze wabernde Gebilde schlängelten sich auf dem Boden, als wollten sie alles um sich herum verschlingen. Xoranyas Herz verkrampfte sich. Eine tiefe Aussichtslosigkeit und Trauer nahm von ihr Besitz und sie musste weinen. Alles um sie herum verlor an Bedeutung und sie gab sich ganz dem Schmerz hin, der sie ergriffen hatte. Erst als Kondo sie leicht schüttelte und sie seine warmen Lippen auf ihrer Haut spürte, konnte sie wieder einen klaren Gedanken fassen.
Es war dieser Ort, der die Verzweiflung in ihr geweckt hatte. Ihre eigenen negativen Gefühle nährten diese Manifestationen der Verzweiflung und versuchten sie von innen heraus zu zerstören. Kondo führte sie zu Chi-Ji, dem Himmlischen Erhabenen, der für die Hoffnung stand. Bei seinem Anblick blieb Xoranya die Luft weg. Sein Gefieder war strahlend weiß und sein Kopfschmuck, der Schwanz und die Beine leuchteten in hellem rot. Ein Lächeln und tiefe Zufriedenheit und Ausgeglichenheit durchströmte sie in seiner Gegenwart. „Wir dürfen der Verzweiflung nicht nachgeben. Niemals.“ Diese Worte berührten jede Faser ihres Selbst und sie schöpfte Hoffnung.

Bilder Upload

Trotz dieser Erfahrung verließen sie den Tempel des roten Kranichs möglichst schnell wieder. Das war nicht der strahlende Ort der Hoffnung und Ruhe, den sie erwartet hatten. Zu groß war der Einfluss des Shas geworden, das der Krieg in diesem Land heraufbeschworen hatte.
Am Strand sahen sie die Dächer eines kleinen Fischerdorfes, wo sie Unterschlupf für die Nacht finden konnten. Müde von der Reise und den vielen verschiedenen Eindrücken, war das große weiche pandarische Bett genau richtig, um den Dreien einen erholsamen Schlaf zu schenken.

Bilder Upload

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s