Xoranya versuchte vergeblich Jordans Aufmerksamkeit auf die hübschen bunten Blumen auf der Terrasse des Gasthauses in Dalaran zu lenken, um ihn dadurch abzulenken. Doch der Kleine hatte keine Augen für die Schönheit seiner Umgebung, stattdessen tat er sein Unwohlsein lauthals kund. Die ersten Tage nach ihrer geglückten Flucht aus dem Hof im Silberwald schien es ihm noch täglich besser zu gehen. Er trank viel und nahm auch wieder zu. Doch dann plötzlich begann er sich nach den Mahlzeiten regelmäßig zu erbrechen. Die Heilerin hielt es für einen harmlosen Infekt und empfahl Xoranya ihm zusätzlich etwas magenschonenden Tee zu geben. Aber es half nichts, Jordan spuckte den Großteil seiner Mahlzeiten aus und wurde quängelig und unleidig. Dann begann sich seine Haut gelb zu verfärben. Auch das Weiß seiner Augen nahm langsam diese unnatürliche Farbe an, so dass die Heilerin sich sicher war er müsse an einer Vergiftung leiden. Xoranya ließ beim Alchemisten Gegengifte nach Anweisung der Heilerin herstellen, doch keines zeigte eine Wirkung. So empfahl sie einen Spezialisten aufzusuchen, eine Nachtelfe namens Cyndra Samtwisper, die in Dolanaar ihre Künste lehrte.

Kondo kam die Treppe herauf und fand die beiden auf der Terrasse. Er setzte sich zu ihnen und umarmte und küsste sie. Xoranya fiel ein Stein vom Herzen, dass er so schnell nach ihrem Brief schon zurück sein konnte. Sie erzählte von Jordans Zustand und Kondos freudiger Gesichtsausdruck wich der Sorge um seine Familie. Er mahnte zum raschen Aufbruch, denn Jordans Zustand verschlechterte sich von Tag zu Tag. Xoranya hatte schon alles gepackt, so dass sie kurze Zeit später das Portal nach Sturmwind betreten konnten.
Auf dem Weg zum Hafen fanden die beiden seit langem wieder die Zeit über andere Dinge zu reden. Kondo erzählte von seinen Versuchen ein Spielzeug für Jordan zu basteln. Es sollte ein Zeppelin mit Mannschaft und Kanonen werden. Natürlich müsse man die Kanonen auch abfeuern können. Allerdings mangelte es noch schwer an der Umsetzung, da der Zeppelin vor allem ja auch fliegen sollte, insgesamt aber noch zu schwer war.
Xoranya musste dabei lachen. Wer von beiden war wohl das größere Kind?
Am Sturmwinder Hafen legte gerade ein Schiff an, das nach Darnassus fuhr.
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Als sie in Dolanaar ankamen, fiel ihnen beiden gleich die wohltuende Ruhe auf, die dieser Ort ausstrahlte. Das Zwitschern der Vögel und das sanfte Rauschen der Blätter ließen sie für einen Moment ihre Sorgen vergessen. Dann erkundigen sie sich nach Lady Samtwisper und suchten sie in ihrem kleinen Haus auf.
Die Nachtelfe empfing sie in gewohnt distanzierter aber freundlicher Art und erkundigte sich nach ihrem Begehr.
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Xoranya legte Jordan vor ihr auf das Bett und schilderte seine gesundheitliche Verfassung und dass sie auf Empfehlung hierher kamen.
Die Elfe untersuchte Jordan von Kopf bis Fuß und entdeckte Einstichnarben an seinem Hals. Xoranya erzählte was er in der Hand der Verlassenen hatte erdulden müssen und dass er vermutlich mit einer neuen Krankheit infiziert worden war.
Cyndra tupfte mit einem Tuch den Schweiß auf Jordans Stirn ab und wickelte ihn aus seiner nassen Windel. Beides legte sie in zwei Schalen und goss eine stinkende Flüssigkeit darauf. Seelenruhig wartete sie die Reaktion ab, während Xoranya vor Ungeduld schon fast die Wände hochgehen wollte.
„Was macht sie da?“, flüsterte Kondo ihr leise zu. Doch Xoranya antwortete nur mit einem Achselzucken.
„Seltsam,“ sagte die Elfe schließlich und Xoranya musste sich zusammenreißen, um nicht ausfallend wegen der Einsilbigkeit der Elfe zu werden.
Cyndra sah die fragenden Blicke der Menschen und entschied sich, doch ihre Erkenntnisse mit beiden zu teilen.
„Euer Sohn leidet an keiner normalen Vergiftung, die mit einem entsprechenden Gegengift zu behandeln wäre. Sein Körper produziert eine Substanz, die ihn langsam aber sicher töten wird, wenn wir es nicht aufhalten können. Möglicherweise ist dies eine Reaktion der Krankheit, mit der er infiziert wurde.“ Sie machte eine kurze Pause.
Kondo erwiderte sofort: „Und was können wir dagegen tun?“
Die Elfe tat so als hätte sie Kondos Frage nicht gehört und fuhr in ihrer Erklärung fort: „Seltsam ist dies, weil ich ähnliche Symptome bei Flüchtlingen aus Auberdine gesehen habe, die in Lor’danel versorgt worden waren. Wir vermuteten schließlich, dass die Ursache in der Nahrung lag, den Tieren aus der Gegend um Lor’danel, mit denen sie ernährt worden waren. Doch keiner dieser Flüchtlinge überlebte, so dass wir unseren Verdacht nicht bestätigen konnten. Ein Druide und ein Gnom nahmen sich der Untersuchung des Vorfalls an, doch ich weiß nicht was sie in der Zwischenzeit herausgefunden haben.“
Kondo legte seine Stirn in Falten. Er schien nicht überzeugt, dass es irgendeinen Zusammenhang zwischen der Krankheit seines Sohnes und kranken Tieren in Dunkelküste geben sollte. Die Elfe schien seine Skepsis zu erkennen und setzte nach: „Seltsam ist auch, dass sich seit einiger Zeit Verlassene bei den Ruinen des Turmes von Althalaxx nördlich von Lor’danel aufhalten. Vielleicht ist dies alles kein Zufall.“
Kondo und Xoranya sahen sich an und nickten zustimmend.
„Wenn ihr es erlaubt, werde ich mich um euren Sohn kümmern. Ich werde ihm Medizin geben, welche die Vergiftung verlangsamt.“ Die Elfe nahm aus dem Regal hinter ihr eine Wurzel und hielt sie Jordan vors Gesicht. Der Kleine griff interessiert danach und steckte sie gleich in den Mund. Sabbernd lutschte er darauf herum.
Xoranya gab ihm einen Kuss auf die Stirn und drückte ihn sanft. „Wir sind bald wieder da, mein Schatz.“ Zu der Elfe sagte sie: „Im Tragekorb ist alles was er braucht.“
Die Elfe nickte nur und verabschiedete sie kühl.
An der Tür blieb Xoranya nochmal stehen. Alles in ihr sträubte sich, ihren Sohne so bald wieder aus den Händen zu geben und wenn es nur für wenige Stunden war. Doch unterschwellig spürte sie die beruhigende Ausstrahlung dieses Ortes.
Hier war Jordan sicher.
Nun galt es alles dafür zu tun, dass er auch wieder gesund würde.

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