Xoranya saß auf dem großen Bärenfell in Nezihes Wohnzimmer und spielte mit Jordan. Die letzten fast zwei Wochen bei Nezihe haben ihr gut getan und auch Jordan war mittlerweile wieder völlig gesund. Nezihe hatte Recht behalten: es war alles nur eine Frage der Geduld.
Nezihe hatte sich liebevoll um die beiden gekümmert und auch Jordan fühlte sich bei der Priesterin sehr wohl. Umso schmerzvoller war es für Xoranya ihr sagen zu müssen, dass sie wieder in ihr Haus zurückkehren wollte.
Sie wollte einfach Nezihe nicht weiter zur Last fallen, auch wenn sie wusste dass es nicht so war. Deswegen lud sie die Priesterin ein, sie zu begleiten und ihr Haus zu besichtigen. Gerne würde sie dort einige Tage bleiben können und die Natur außerhalb der Stadt genießen.
Nezihe nahm das Angebot schließlich an und so machten sie sich mit Kondos Knappen Lusius auf den Weg ins Osttal.
Gerade als sie am Haus im Holzfällerlager angekommen waren, begann es zu regnen. Doch als sie das Haus betreten wollten, sahen sie dass die Tür etwas offenstand und das Schloss aufgebrochen war.
Nezihe öffnete vorsichtig die Tür und ihnen offenbarte sich ein wahres Chaos.
Ton- und Glasscherben lagen auf dem Boden, verklebt von einer alkoholisch riechenden Flüssigkeit und Dreck. Stühle lagen umgeworfen und zertrümmert im Eingangsbereich verteilt. Der Blumenschmuck war von den Wänden gerissen.
Im hinteren Bereich war die Spielecke völlig zerstört, die Betten zerwühlt und die Bettwäsche auf dem mit schlammigen Fußspuren bedeckten Boden verteilt und verdreckt.
Fassungslos standen die beiden Frauen im Haus und sahen sich um.
Das Chaos setzte sich im Obergeschoss fort, wenn auch nicht in demselben zerstörerischen Ausmaß. Dort waren Bücher aus den Regalen gerissen und auf dem Boden verteilt. Die Kleiderschränke und –truhen im Schlafzimmer standen offen und die Kleider lagen überall verstreut. Lediglich das Bett und die Wiege waren unangetastet geblieben.
Xoranya hatte alle Mühe sich zusammenzureißen und nicht in Tränen auszubrechen.
Wer konnte bloß so etwas tun?
Xoranya wollte den Einbruch der Wache melden, doch der Regen war in der Zwischenzeit so stark geworden, dass Nezihe darauf bestand auf den nächsten Morgen zu warten.
Und so räumten sie ein wenig die Unordnung im Schlafzimmer beiseite, um wenigstens im Bett schlafen zu können.
Nezihe tröstete Xoranya und sprach ihr Mut zu. Und auch wenn Xora ihren Worten insgeheim keinen Glauben schenkte, war sie doch froh jemanden an ihrer Seite zu wissen, der die positive Denkweise des Lichts verinnerlicht hatte. In letzter Zeit fiel es ihr zunehmend schwer, die Tugenden zu befolgen und ihren Sinn nicht laufend in Frage zu stellen.
Xoranya versuchte den Gedanken an die Arbeit, die ihnen morgen bevorstand zu verdrängen, als sie neben Nezihe einschlief.

Am nächsten Morgen schickte Xoranya den Knappen Lusius zur Wache an der Brücke, um den Einbruch zu melden. Am Nachmittag kam er mit einem Ermittler des Wachregiments Goldhain zurück, der sich das Haus genau ansah.
Er stellte fest, dass die Tür mit einem Brecheisen aufgebrochen wurde, nicht ungewöhnlich bei Raubüberfällen. Die vielen schlammigen Fußspuren deuteten darauf hin, dass es sich um mehrere Täter handelte. Der Ermittler notierte alle Beschädigungen und erstellte mit Xoranyas Hilfe eine Liste der gestohlenen Sachen.
Beim Aufräumen des Obergeschosses hatten sie und Nezihe schon bemerkt, dass einige wertvolle Dinge fehlten. Darunter waren zwei mit Perlen und Edelsteinen besetzte Kleider, ein Pelzmantel, Waffen von Kondo und ihr, sämtliche Edelsteine, welche sie gerade bearbeitet hatte, und zwei Weinfässer.
Der Ermittler bedankte sich für die Auskunft und gab an, den Fall an den Marschall von Goldhain weiterzuleiten. Bei weiteren Fragen möge man sich an ihn wenden.
Nachdem der Mann gegangen war, machten sich die beiden Frauen daran weiter aufzuräumen und zu putzen.

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