Xoranya hörte Stimmen und setzte sich ruckartig im Bett auf. „Kondo?“, sagte sie und sah sich in dem kleinen Gastzimmer in Kharanos um. In der Tür standen die Zwergenpriesterin Umma und Raya.
Umma kam langsam auf sie zu und fragte nach ihrem Wohlergehen, während Raya kaum an sich halten konnte und gleich mit den Neuigkeiten herausplatzte.
„Ich habe etwas erfahren, Lady Connor!“, sagte Raya und trat an ihr Bett heran. „Ich konnte beim König eine Audienz erhalten und habe erfahren, dass Euer Mann wohl in die Pestländer reisen wollte, um dort Vorbereitungen zu treffen. Allerdings hat er sich bisher nicht zurückgemeldet.“ Raya sah zu Boden.
„Was? Es wird doch nichts passiert sein!“ Xoranya sah noch etwas blasser aus als ohnehin schon und begann noch mehr zu zittern.
„Kind…“, herrschte Umma Raya an. „Lasst mich die arme Frau doch erst einmal untersuchen. Seht ihr nicht, dass es ihr nicht gut geht?“
Raya entschuldigte sich und trat etwas zurück.
Xoranya legte ihre Hand auf den Bauch und verzog schmerzerfüllt das Gesicht.
„Legt Euch doch bitte hin,“ sagte Umma sanft und begann Xoranya zu untersuchen.
„Und? Was fehlt ihr?“, wollte Raya gleich wissen.
Umma sah Raya scharf an. „Ruhe jetzt!“
„Ihr habt Fieber. In Eurem Zustand hierher zu kommen war keine gute Idee. Habt ihr jemanden, der euch abholen kann?“
Xoranya schüttelte den Kopf. „Kondo wollte doch herkommen. Und sonst kenne ich niemanden hier.“
„Wir können sie doch auf einem Greifen wegbringen,“ schlug Raya vor.
„Die kalte Zugluft bei Fieber? Eine selten dämliche Idee!“ antwortete Umma.
„Ich will aber nicht hier bleiben. Hier bin ich allein. Und es ist kalt.“
„Ich könnte Pferde besorgen!“ Raya stand wieder am Bett.
„Und wo wollt Ihr bitte hin?“, Umma war nicht begeistert von dieser Idee.
„Nach Sturmwind. Da kenne ich wenigstens Leute, die mir helfen können.“
„Und Ihr glaubt, Ihr seid stark genug für die Reise?“
Xoranya nickte. „Ich will hier nicht bleiben!“
„Also gut, Raya sagt Belm er soll einen Widder satteln und einen Pelz herausrücken,“ sagte Umma.

Kurze Zeit später waren die drei unterwegs nach Eisenschmiede. Der Widder war etwas störrisch und der Sitz unbequem, da nicht für schwangere Menschenfrauen ausgelegt, aber Xoranya war froh endlich der Kälte zu entkommen. Mit der Tiefenbahn fuhren sie nach Sturmwind und Umma verabschiedete sich von ihnen. In Sturmwind wollte Xoranya Nezihe aufsuchen und sie um Hilfe bitten. Raya stützte Xoranya, die sich kaum auf den Beinen halten konnte vor Schwäche und Müdigkeit.
Nezihe begrüßte die beiden Frauen herzlich und bot ihnen einen warmen Tee an. Auch sie sparte nicht mit Vorwürfen, wie sie nur in dem Zustand so weite Reisen unternehmen konnte, da sie ja auch noch krank war.
Nezihe bot Xoranya ihr Bett an und versprach, sich um sie zu kümmern.
Raya war sichtlich erleichtert, sie in den Händen einer erfahrenen Priesterin zu wissen und sagte ihr zu, weiter nach Kondo zu suchen.
Xoranya schleppte sich hinauf ins Schlafzimmer, wo ihr Nezihe noch eine Kleinigkeit zu Essen herrichtete.
Beide sprachen noch lange über Xoranyas Sorgen und Nezihe überzeugte sie, dass Kondo sehr wohl in der Lage wäre alleine auf sich aufzupassen und dass es unverantwortlich von ihm war, seine Frau im Stich zu lassen und unabwägbare Gefahren auf sich zu nehmen.
Xoranya war jedoch überzeugt davon, dass er niemals etwas tun würde, was ihn absichtlich in Gefahr brächte. Er würde sie nie im Stich lassen.
Doch Nezihes Umarmung und ihre festen Worte ließen sie wieder Hoffnung schöpfen, dass alles doch nicht so schlimm war, wie sie es sich einbildete.
Der kalte Braten, den Nezihe ihr auftischte war das beste, was sie seit langem gegessen hatte. Überhaupt war es wieder etwas Vernünftiges nach ihrer Flucht aus dem Hügelland.
Sie war froh, hierher gekommen zu sein. Bei Nezihe fühlte sie sich aufgehoben und behütet. Müde und erschöpft fiel sie in einen tiefen Schlaf.

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