Einige Tage vorher:

Rauchschwaden stiegen auf. Überall loderten kleine Feuer. Die Erde war verbrannt. Xoranya stieg über bis zur Unkenntlichkeit verkohlte Leichen von Menschen und Orks. Im Hintergrund ertönte das Geschrei von flüchtenden Menschen.
Sie blieb kurz stehen und blickte zu Himmel. Ein roter Drache zog noch seine Kreise, doch dann ließ er einen ohrenbetäubenden Schrei ertönen und flog davon.
Sie ging stur gerade aus weiter ohne sich umzudrehen.

Ihr Herz klopfte so stark, dass sie glaubte gleich bewusstlos zu werden. Sie konnte nicht fassen, dass sie immer noch lebte, nach allem was geschehen war.
Im Lager herrschte Chaos. Die Truppen waren aufgerieben. Jeder packte seine Habseligkeiten und suchte das Weite. Lord Bolvar und sein Stab waren tot so wie hunderte anderer tapferer Soldaten der Allianz und Horde.
Wut stieg in ihr auf. Wut darauf, dass Arthas entkommen war. Dass er sich wieder versteckte.
Sie ging hinauf zum Greifenmeister, der verzweifelt versuchte, seine Tiere zu beruhigen.
„Ich möchte fort von hier!“, sagte sie knapp. Der Mann sah sie nur aus leeren Augen an und deutete auf eines der Tiere.
Als sie sich in die Lüfte erhoben, riskierte sie einen letzten Blick auf die Pforte. Ein Schauer lief ihr über den Rücken. Sie atmete tief durch und ihr war klar, wohin ihr Weg sie nun führte.

Xoranya stand auf dem Platz von Valgarde und starrte in die Flammen. Kondo hatte endlich auf ihren Brief geantwortet und wollte sie wiedersehen. Die wenigen Tage, die seit ihrem letzten Treffen vergangen waren, kamen ihr wie Monate vor. Die Ereignisse hatten sich überschlagen, seit sie in Wintergarde angekommen war.
Doch nun konnte sie sich auf das konzentrieren, weswegen sie eigentlich hier war. Sie suchte weiter nach Thorben Schattenbrecher. Bei der Lichtwarte nördlich von Wintergarde fand sie einen Stützpunkt des Argentumkreuzzuges, doch dort hatte man ihn schon lange nicht mehr gesehen. Aber man schickte sie nach Valgarde, um einen vermissten Kreuzfahrer zu suchen.
Valgarde wurde Tag und Nacht von den Vrykul angegriffen. Von Lord Irulon hatte sie erfahren, dass ein Kreuzfahrer vor einiger Zeit mit den Zwergen der Forscherliga Richtung Burg Utgarde aufgebrochen war. Doch weder das Forschungsteam noch der Mensch waren zurückgekehrt.
Nun stand sie hier und wartete auf Kondo. Und als sie so ihren Gedanken nachhing, hörte sie ganz in der Nähe Flügelschlagen. Erschrocken drehte sie sich um, da sie dachte die Drachenschinder der Vrykul hätten die Verteidigungslinie durchbrochen. Doch es war Kondo auf seinem jungen Rotdrachen. Er begrüßte sie überschwänglich und Xoranya vergaß für kurze Zeit die Schrecken der letzten Tage und Wochen.

Schließlich brachen sie Richtung Burg Utgarde auf, um nach dem vermissten Kreuzfahrer zu suchen. Sobald sie Valgarde verließen mussten sie sich durch das nahegelegene Vrykul-Dorf kämpfen. Die Einwohner überragten Xoranya und Kondo um mehrere Köpfe und waren mit schweren Äxten bewaffnet. An der Seite der gewaltigen Burg entdeckten sie eine Höhle.
„Das muss der Eingang zu den Katakomben sein“, sagte Xoranya. Langsam begaben sie sich in die Dunkelheit, nicht wissend was sie dort unten erwarten würde.
Etwas Klebriges blieb an Xoranyas Haaren hängen und sie versuchte es abzustreifen.
„Spinnweben“, sagte Kondo. „Die ganzen Wände sind voll damit.“
Im schummrigen Licht konnte man Eier erkennen. „Und ein Nistplatz auch noch.“ Xoranya schüttelte sich. Die Eier reichten ihr bis zur Brust. Sie wollte nicht wissen, welche Spinnen daraus schlüpften.
Der Tunnel mündete in ein unterirdisches Gewölbe, dessen Eingang von zwei Hünen der Vrykul bewacht wurde. Nachdem sie die Halle betraten hatten, blieb Xoranya wie angewurzelt stehen.
„Todesengel“, flüsterte sie. Über ihren Köpfen schwebten Val’kyrn. Ihre Körper waren von Bandagen umwickelt und strahlten hell. Ihr Flügelschlag ließ die Luft vibrieren.
„Psst! Ihr da!“
Xoranya sah sich um, konnte jedoch niemanden in der düsteren Halle erkennen.
„Da ist jemand“, sagte Kondo und ging zu einer der Säulen, die die Wände säumten. Er lachte. „Ein Zwerg! Was macht Ihr denn hier und warum versteckt Ihr Euch?“
Der Zwerg fuchtelte wild. „Macht doch nicht so einen Lärm! Sonst finden sie mich noch!“
Er deutete auf die Val’kyrn. „Soviel ich mitbekommen habe, lassen die Drachenschinder ihre Gefangen gegen ihre stärksten Gladiatoren kämpfen. Die Verlierer werden danach ins untere Geschoss geworfen, um dort von Nekromanten der Geißel in Ghulies verwandelt zu werden! Grauenhaft ist das!“ Die Worte sprudelten nur so aus dem bärtigen Mann heraus.
„Nur mit der Ruhe! Wir bringen Euch hier raus, aber ….wir sind auf der Suche nach einem Menschen, einem Kreuzfahrer. War er mit Euch, habt ihr ihn gesehen?“ Xoranya legte ihre Hand auf seine Schulter.
Der Zwerg schaute sie einen Moment überrascht an. „Ja…ein Mensch.“ Sein Blick ging ins Leere. „Ihn haben sie auch gefangen. Aber was sie mit ihm gemacht haben, weiß ich nicht.“ Seine Stimme war zu einem kaum hörbaren Flüstern geworden.
„Haltet aus, wir sind bald wieder da!“, sagte Xoranya und bedeutete Kondo ihr zu folgen.
Sie kamen an die Treppe, die zu der Arena führen musste, von der der Zwerg gesprochen hatte, denn man hörte das Klirren von Waffen und unnatürlich gurgelnde Geräusche. Xoranya lief ein Schauer über den Rücken und sie wandte sich nach links. Hier standen Betten und sie fragte sich, ob diese Kreaturen sich tatsächlich irgendwann zur Ruhe begaben oder wie lange diese Räume schon von Lebenden verlassen sein mussten. Als sie den Raum betraten, sahen sie wie ein Vrykul über eine kleine Gestalt gebeugt war. Xoranya konnte in dem von wenigen Fackeln erleuchteten Raum kaum etwas erkennen, aber die Gestalt schien sich zu bewegen.
„Sie mal, da ist wer!“, flüsterte sie Kondo zu und näherte sich langsam. Doch sie wurden von einem Vrykul entdeckt und ein kurzer heftiger Kampf entbrannte.
Xoranya eilte zu der Person, die auf einer Steinbank lag und schwer atmete. Der Mann schaute Xoranya mit weit aufgerissenen Augen an, als hatte er nicht mehr erwartet hier Menschen anzutreffen. Er versuchte zu sprechen und keuchte.
„Ich bin ein Abgesandter des Argentumkreuzzugs und wurde mit einer heiligen Aufgabe beauftragt.“, er hustete und Xoranya half ihm sich etwas aufzurichten.
„Unsere Streitkräfte in den Pestländern wurden dezimiert. Mit dem Licht der Morgendämmerung, läuterten sie das Artefakt, machten es wieder rein. Die Erlösung… so viele gaben ihr Leben für sie. Doch es gibt immer noch Hoffnung… noch ist Zeit.
Das Artefakt wurde in die Grube der Gefallenen geschleudert – tief unter uns, von den grausamen Toten bewacht.“ Sein Körper erglühte in einem blendenden Licht.
„Das – Licht – wird – Euch – beschützen. Geht! Schnell!“ Der Mann sank zurück und schien das Bewusstsein zu verlieren.
Xoranya wandte sich Kondo zu. Der umfasste den Griff seines Streitkolbens und nickte. Ohne zu zögern eilten sie die Treppe hinunter, den nur allzu bekannten Geräuschen und dem Geruch des Todes nach. Xoranya schluckte den Ekel hinunter.
Für das Licht!

Fortsetzung folgt….

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