Tirsfal war ein unwirtlicher Landstrich. Xoranya sah vor ihrem geistigen Auge die saftigen Wiesen und mild rauschenden Wälder, in denen sie während ihrer Ausbildung zum Paladin umhergestreift war. Damals als Lordaeron noch im Glanz einer Königsstadt erblühte.
Sie war fast noch ein Kind gewesen und mit kindlichen Augen hatte sie damals die Welt gesehen und diese Erinnerungen prägten sie auch heute noch.
Ein Schauer lief ihr über den Rücken, als sie an einem verfallenen Bauernhof vorbei kam.

Klappernde Skelette und grunzende Ghule streunten auf den verwahrlosten Feldern umher. Sie hielt ihr Pferd an und beobachtete die groteske Szenerie eine Weile. Da hörte sie eine Stimme.
„Erlöse mich!“
Erschrocken drehte sie sich um. Doch es war niemand da.
„Erlöse mich!“ Hörte sie das klagende Flehen, doch sie konnte nicht erkennen von wo es kam.
Sie gab ihrem Pferd die Sporen, um von diesem unheimlichen Ort zu entfliehen.
Xoranya ritt in die Berge. Schon von weitem sah sie eine Turmspitze hinter einem Felsvorsprung hervorragen. Sie stieg ab und konnte einige Soldaten erkennen, die den Eingang zwischen zwei Berghängen bewachten. Als sie sich näherte erkannte sie, dass die Soldaten einen weißen Wappenrock mit einer roten Flamme darauf trugen, das Zeichen des Kreuzzuges.
Eine Frau erblickte sie und schrie :“Ein Eindringling!“ Mit gezogenem Schwert stürzte sie auf sie zu.
Xoranya parierte den Angriff und schlug der Frau das Schwert aus der Hand. „Ich bin nicht hierher gekommen, um zu kämpfen“, sagte sie mit ruhiger Stimme.
Die anderen Soldaten hatten sich genähert und beobachteten sie wachsam.
„Wer seid Ihr und was wollt Ihr?“, fragte ein muskulöser Mann.
„Ich bin Xoranya Wallerstein, Ritterin der Silberhand. Bruder Crowley schickt mich mit einer Nachricht für Hauptmann Vachon.“
Der Mann schaute sie einen Augenblick prüfend an, dann winkte er noch ein paar Wachen herbei. „Bringt sie zu Vachon!“
Zu Xoranya gewandt sagte er: “Wenn Ihr Eure Waffe zieht, seid Ihr tod.“
Wie freundlich, dachte Xoranya und nickte.
Fünf Soldaten eskortierten sie zu dem Wachturm, in dem sich Vachon befand.

Der Hauptmann war ihr gegenüber weniger voreingenommen und las sofort die Dokumente, die sie ihm überreicht hatte.
Noch bevor er mit der Durchsicht fertig war, stürmte ein Soldat herein.
„Sie greifen an!“, schrie er atemlos. „Etwa 30. Sie nähern sich von Osten!“
Vachon steckte die Dokument ein und lief nach draußen. Er gab kurze Befehle und die Soldaten sicherten die Stellung. Noch bevor alle Wachtruppen zusammengezogen waren, erfolgte der Angriff.
Xoranya erkannte sofort, dass die Untoten ihnen zahlenmäßig überlegen waren. Sie machte einige Magier in den feindlichen Truppen aus. Vachon hatte das ebenfalls erkannt und setzte einige Ordensmitglieder auf sie an, Gegenzauber zu wirken.
Xoranya kämpfte an vorderster Front und ließ durch das heilige Licht die untote Plage verbrennen. So wendete sich der Kampf schnell zu ihrem Vorteil. Doch die Verluste waren hoch und die Zahl der Verletzten schwächte ihre Abwehr.
Nachdem sie die Magier ausgeschaltet hatten, zogen sich die Angreifer zurück.
Vachon schickte einen Boten zum Kloster, um Verstärkung und Hilfe für die Verletzten anzufordern. Xoranya half bei der Versorgung der Verwundeten.
„Ich danke Euch für Eure Unterstützung, Xoranya!“, sagte Vachon. „Dies war ein besonders raffinierter Schachzug der Geißel. Sie werden stärker und ihre Übergriffe häufen sich. Wir halten hier die Stellung, doch wer weiß, wie lange wir ihnen noch standhalten können.“ Mit einem gewinnenden Lächeln fügte er hinzu. „Wir könnten erfahrene Kämpfer wie Euch gebrauchen.“
Xoranya winkte ab. „Auf mich warten andere Pflichten. Aber seid versichert, dass die Auslöschung der Geißel eines meiner persönlichen Hauptziele ist. Und ich werde jeden unterstützen, der dieses Ziel ebenfalls verfolgt.“ Xoranya neigte den Kopf. „Entschuldigt mich, ich muss aufbrechen. Ich werde erwartet.“ Sie rief ihr Schlachtroß herbei und eilte im Galopp davon.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s