Xoranya kam im Hospital von Sturmwind zu sich. Vorsichtig stützte sie sich auf den Unterarmen ab und sah um sich. Die Betten waren mit zahllosen Schwerverletzen belegt, die stöhnten oder leise vor sich hin jammerten. Selbst auf dem Boden waren schon Notlager errichtet worden. Mehrere Schwestern saßen zwischen den Patienten und sprachen ihnen Mut zu.
„Neu formieren!“, hörte sie es von draußen hereinschallen. „Ein neuer Riss! Alle zu mir!“
Xoranya war verwirrt. Was war geschehen?
Sie beobachtete eine Schwester, wie sie die Augen eines Patienten schloss und das Leintuch über seinen Kopf zog. Das Gesicht kam ihr so bekannt vor.
Xoranya stemmte sich hoch und ein stechender Schmerz fuhr in ihren Rücken. Mit einem Ächzen ließ sie sich wieder sinken. Die Schwester kam zu ihr und reichte ihr einen Becher Tee.
„Hier, Mylady, trinkt das. Es wird die Schmerzen lindern.“
Xoranya wollte gerade fragen, wie sie hierhergekommen war, als neue Verletzte ins Hospital getragen wurden. Ein Arzt kam herbei gerannt und gestikulierte wild.
„Hier nicht mehr! Wir sind voll! In die Kathedrale!“
Xoranya nahm einige Schlucke und ein warmes Gefühl breitete sich in ihrem Körper aus.

Sie spürte eine Hand auf ihrem Kopf und ihrer Wange, als sie erschrocken erwachte.
Kondo sah sie mit einem sanften müden Lächeln an.
„Wie geht es dir?“ fragte er leise.
Xoranya versuchte sich wieder aufzusetzen, diesmal ohne Rückenschmerzen.
„Ich glaube gut.“ Sie sah sich um. „Was sagt der Arzt, ich habe ihn nur einmal kurz herumrennen sehen?“
Kondo stütze sie beim Aufstehen. „Alles in Ordnung! Du darfst gehen. Ich bringe dich hier weg. Wer weiß, wann der nächste Angriff erfolgt. Es war keine gute Idee hierher zu kommen!“
Xoranya wurde leicht rot und nickte nur. Sie ließ sich hinausführen und nickte beim Gehen noch einer Schwester dankbar zu.
Noch nie war sie so froh gewesen auf einem Greifen zu sitzen, wie an diesem Tag.
Als sie in Süderstade ankamen, hatte sich auch ihre Aufregung wieder gelegt. Kondo besorgte Pferde und so ritten sie gemeinsam zu ihrem Haus im Hügelland.
„Nun bleibst du aber hier, mein Stern.“, sagte Kondo vorwurfsvoll. „Hier bist du in Sicherheit!“

Einige Tage später:

Xoranya wippte den kleinen Jungen mit den strohblonden Haaren und dem hellen Lachen auf den Knien, während sie Hoppe Reiter sang.
„Xoranya,“ hörte sie eine Stimme hinter sich, als jemand mit einem festen Griff ihre Schulter packte.
„Mylady! Wacht auf!“
Das idyllische Bild aus ihrem Traum verblasste. Xoranya saß senkrecht im Bett und starrte in das angstverzerrte Gesicht ihres Knechtes Hubert.
„Die Untoten sind da! Das Rathaus steht in Flammen, Ray und Getz sind tot! Die Landarbeiter fliehen! Ich habe unser Pferd gerettet! Es steht draußen! Wir müssen fort!“
Xoranya sprang auf und riss ihr Nachthemd über den Kopf. Ungeachtet des peinlich berührten Blickes des Mannes, schlüpfte sie in eine leichte Hose und warf ein Lederwams über. Sie nahm ihren Streitkolben aus dem Schrank und folgte Hubert.
Beide eilten die Treppe hinunter und Hubert riss die Eingangstür auf.
Abrupt blieb er stehen und Xoranya hörte ein röchelndes Geräusch.
Als sie an ihm herab sah, schaute die Spitze eines Schwertes aus seinem Rücken.
Langsam sank der Mann in sich zusammen und gab den Blick auf die verfaulte Fratze eines Untoten frei.
„Tot allen Lebenden!“ brüllte er und Xoranya glaubte ihn lächeln zu sehen…

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