Eisiger Wind schien auch die letzten Fasern ihrer Kleidung zu durchdringen, als sie auf dem Greifen saß, der sie zum Argentumturnierplatz bringen sollte. Sie ertappte sich dabei, wie sie die Augen zusammenkniff und die Gegend absuchte. Ja, nach was suchte sie? Aus dieser Höhe waren selbst die Geißeltruppen nur kleine dunkle Punkte. Am Horizont sah sie die Himmelsbrecher ihre Kreise ziehen.
Nachdem sie endlich am Turnierplatz gelandet war, eilte sie ins Zelt des Silberbundes, um die Listen mit den Namen und den Ergebnissen der Champions durchzusehen. Doch Kondos Namen konnte sie nicht darauf entdecken. Sie fragte sich weiter durch, doch keinem der Kampfleiter war ein Paladin, auf den Kondos Beschreibung passte, aufgefallen.
Völlig entmutigt setzte sie sich zu einigen Turnierteilnehmern ans Lagerfeuer. Sie hatte noch nicht lange in das knisternde Feuer geschaut, als ein Zwerg sie anschubste und ihr einen Bierkrug vor die Nase hielt.
„Na, noch keinen Sieg davon getragen, Kleine? Bah, das wird schon noch! Hier trink nen Schluck. Das macht Mut.“ Er sah sie breit grinsend an und setzte sich dicht neben sie.
„Ich bin nicht wegen des Turniers hier. Ich suche jemanden!“, sagte sie bestimmt.
Der Zwerg legte ihr den Arm um die Schultern. „Ach, wen suchst du denn? Vielleicht einen so erfolgreichen Champion wie mich?“ Er setzte sich aufrecht und schlug mit der Faust auf seine Brustplatte.
„Ach, Isengor, halt die Klappe! Keiner braucht so’nen Versager wie dich!“ Eine dunkelhäutige Frau beugte sich vor und lachte heiser. Zu Xoranya sagte sie: „Hier kommt auch der letzte Abschaum der Allianz her. Von diesen widerlichen Grünhäuten und Voodoo-Typen ganz zu schweigen!“ Sie deutete hinter sich zum Zelt der Horde.
„Ich suche meinen Mann. Einen Paladin, groß, blonde kurze Haare, kurzer Bart, blaue Augen.“ Xoranya sah die beiden hoffnungsvoll an.
„Ach, Paladine gibt es hier viele. Sehen auch alle irgendwie gleich aus.“ Die Frau winkte ab. Den Zwerg schien ihre Bemerkung nicht weiter zu stören. Er rutschte noch näher an Xoranya heran und drückte sie an sich.
„Er kämpft unter dem Banner von Darnassus,“ sagte Xoranya und löste sich aus der Umarmung.
Die Frau runzelte die Stirn. „Darnassus, sagst du? Da is mir einer aufgefallen. Hab mich schon gefragt, wasn Paladin mit Elfen am Hut hat. Aber egal. Da war letztens ne Gruppe, die sich für die Arena angemeldet hatte. Ein seltsamer Haufen. Waren auch nicht so erfolgreich. Soll viele Schwerverletzte gegeben haben.“
„Schwerverletzte?“, Xoranya sprang auf.
„Geh doch mal ins Lazarett, vielleicht wissen die was.“
„Ich danke Euch,“ sagte Xoranya und eile davon. Hinter sich hörte sie noch die quengelige Stimme des Zwerges gefolgt von schallendem Gelächter.„Hey, Sira, jetzt hast du die Liebe meines Lebens vertrieben. Gib mir’n Bier, damit ich über den Verlust hinwegkomme.“
Als sie das Lazarett betrat, kam gleich die Schwester zu ihr und fragte, ob sie ihr helfen könne.
„Hier sollen vor einigen Tagen mehrere Schwerverletzte aus dem Kolosseum eingeliefert worden sein.“
Die junge Frau nickte. „Ja, sie kommen her, ich nähe sie, sie kommen wieder, ich nähe sie wieder.“ Sie lächelte und zeigte auf einen Mann in einem der vorderen Betten. „Der ist als einziger noch hier. Es geht ihm eigentlich schon ganz gut, aber ich bin mir nicht sicher, ob er in Dalaran ankommt, wenn ich ihn auf einen Greifen setze.“
Xoranya schaute die Schwester irritiert an, ging dann aber langsam zu dem angedeuteten Bett. Der Mann starrte an die Decke und summte etwas vor sich hin.
„…duften die weißen Blumen….der Morgenröte….schöner Traum…lalala…“
Sie setzte sich auf die Bettkante und beugte sich zu dem Mann. „Mein Name ist Xoranya Connor. Kennt Ihr meinen Mann Kondo Connor? Ein Paladin. Er kämpfte mit Euch im Kolosseum. Connor, Kondo Connor.“ Sie dehnte die letzten Worte, da sie sich nicht sicher war, ob der Mann sie überhaupt verstand.
„…rotes Leinen…..hohe Wellen…überall…lalala….“
Xoranya stütze den Kopf in ihre Hände. Das hat doch alles keinen Sinn, dachte sie.
Plötzlich wurde sie an den Schultern gepackt und fest geschüttelt. Der Mann hatte sich aufgesetzt und rüttelte sie mit aller Kraft hin und her. „Bleib hier!“ Schrie er immer wieder und: „Lauf nicht weg!“
„Wachen!“, die Schwester eilte mit zwei Männern in Uniform herbei. Die pressten den Mann zurück ins Bett und die Schwester versuchte, ihn festzubinden. Doch er strampelte und schrie weiter. Xoranya trat einen Schritt zurück und sah den Mann fassungslos an. Dann schwand sein Widerstand und er sank kraftlos nach hinten. Eine Wache trat an sie heran und sagte: „Es ist wohl besser, Ihr geht jetzt, Mylady!“
Xoranya sah noch mal zu dem Mann und sein Blick war direkt auf sie gerichtet.
„Hätte er doch auf mich gehört.“ Sagte er leise.
Sie wurde von der Wache zur Tür geschoben und als sie noch einen Blick auf den Mann werfen konnte, starrte er wieder an die Decke.
Ein kalter Wind blies ihr ins Gesicht, als sie vor die Tür trat.
Verstört sah sie die Menge an Zuschauern um sich herum.
Das Jubeln und Klatschen vom Turnierplatz wurde immer leiser.
Bis sie nur noch ihr Herz schlagen hörte.

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