Calvinius tauchte den letzten Apfel in das kleine Töpfchen mit seiner neuesten Kreation: einem schnell wirkenden aromatischen Betäubungsgift. Er legte ihn zu den anderen rotbäckigen appetitlich glänzenden Äpfeln in den Korb und schlüpfte in die abgetragene und schmutzige Kleidung eines Bauern. Schnell griff er nach dem Korb mit den vorbereiteten Äpfeln und stieg mühsam auf sein altersschwaches Pferd, das hinter dem Turm angebunden war. In stetem Galopp führte er den Gaul die Straße hinunter, bis er an der Brücke ankam, die zum Dreiländereck führte. Hier zügelte er seine Geschwindigkeit und ließ das Pferd etwas verschnaufen. Ohne viel Beachtung zu finden, passierte er den Kontrollposten gen Elwynn und verschwand kurz darauf im Wald.

Seit die Elfen und Gnome nach Dunkelhain aufgebrochen waren, um die Spuren dieses Briefes weiterzuverfolgen, war es ruhig geworden.
Xoranya hatte gerade einige Edelsteine zurechtgelegt und überlegte welcher am besten in die filigrane goldene Fassung passen würde, an der sie schon seit einigen Tagen arbeitete, als es an der Tür klopfte. Vielleicht mochte es ja Nezihe sein, die sie besuchen kam, nachdem sie sich nach Abschluss der Aufräum- und Dekorierungsarbeiten wieder nach Sturmwind begeben hatte. Oder einer der Gnome, die mit ihren technischen Spielereien zwar die Arbeit nicht wirklich beschleunigt hatten, aber sehr unterhaltsame Zeitgenossen waren. Xora war nicht gerne allein.
Sie öffnete erwartungsvoll die Tür und sah den Mann, der vor ihr stand erstaunt an.
„Seid gegrüßt, Mylady“ Der alte Mann mit der Halbglatze und den grauen Haaren verbeugte sich tief. „Ich bin Bauer Brackbrunn vom Hof südlich der Straße.“
Xoranya lächelte ihn freundlich an. „Was führt euch zu mir, guter Mann?“
Der Mann streckte ihr einen Korb mit Äpfeln entgegen. „Ich bringe euch ein kleines Dankeschön im Namen der Bewohner des Osttales und aller umliegenden Gehöfte.“
Xora sah ihn verdutzt an. „Ein Dankeschon? Wofür denn?“
„Wißt ihr es nicht?“, fragte der Mann verwundert. „Die Kunde hat sich wie ein Lauffeuer verbreitet. Ihr und Euer Mann habt der Räuberbande, die seit Monaten hier ihr Unwesen treibt das Handwerk gelegt. Nun sind wir endlich sicher vor ihren Überfällen.“
Xoranya wollte protestieren. „Moment, guter Mann. Ihr verwechselt da etwas. Die Sache verhielt sich anders….“
Doch er ließ sie nicht ausreden und wehrte ihre Argumente mit der Hand ab. „Ihr seid zu bescheiden, Mylady. Eine wahre Frau des Lichts. Doch nehmt wenigstens dieses Geschenk, wenn ihr euch schon nicht im Glanze Eures Ruhmes sonnen wollt.“
Xoranya war sprachlos. Darauf wußte sie nichts zu sagen. Offenbar hatten sich Gerüchte unter der Bevölkerung verbreitet, die stark von der Wahrheit abwichen. Aber konnte sie es verantworten, die Hoffnung dieser Menschen zu zerstören? Mit einem dankbaren Lächeln nahm sie den Korb entgegen.
„Das Licht schütze Euch und Eure Familie“, sagte sie und sah dem Mann nach, der sich tief verbeugte und mit einem leichten Humpeln den Weg zum Lager hinabging.
Sie tippte die Tür an, so dass sie zuging. Aber ein kleiner Kieselstein, den der Mann unbemerkt auf die Türschwelle geschoben hatte, verhinderte, dass die Tür ins Schloss fiel. Xoranya bemerkte das nicht und stellte den Korb auf den Tisch. Die Äpfel glänzten rot und machten solch einen verführerischen Eindruck, dass sie nicht widerstehen konnte. Sie nahm einen und biss herzhaft hinein. Er war knackig und so süß, wie sie noch keinen Apfel gegessen hatte. Er hatte ein bemerkenswertes Aroma, das Lust auf mehr machte. So nahm sie noch einen Biss und noch einen und noch einen.
Da fielen ihr wieder die Edelsteine ein, die sie oben hatte liegenlassen und Xoranya ging hinauf. Sie hielt einen Gluttopas gegen das Licht, um ihn auf seine Reinheit zu prüfen, als sie ein leichtes Kribbeln in den Fingern spürte. Sie legte den Stein wieder zurück und ließ den Arm sinken, der ihr plötzlich schwer wie Blei erschien. Die Taubheit aus den Armen breitete sich aus, so dass ihr auch der Apfel aus der Hand fiel. Ihre Beine fühlten sich plötzlich weich wie Götterspeise an und gaben nach. Dann wurde es schwarz um sie herum.

Die Treppenstufen knarzten leicht, als Calvinius hinauf schlich. Er stieg über Xoranyas Beine und machte sich auf den Weg ins Schlafzimmer. Ganz vorsichtig hob er das schlafende Kind aus der Wiege und legte die Kette mit dem Bernstein-Anhänger hinein. Den Korb mit den Äpfeln hatte er unten ausgeleert, so dass das Baby nun ausreichen Platz darin hatte. Über den Griff legte er ein großes buntes Tuch, damit man den Inhalt nicht erkennen konnte.
Vor dem Haus sah er sich nochmals um. Die Dämmerung brach langsam herein und schluckte seinen Schatten, als er hinter dem Haus im Wald verschwand.

Valessia presste die Hand auf die Bauchwunde, die ihr diese verfluchte Nachtelfe beigebracht hatte. Obwohl sie tief war und dunkles Sekret herausrann, spürte sie keinen Schmerz. Ein Apotheker würde das schnell wieder in Ordnung bringen. Doch ihr Blut kochte, als sie ihr Auge abtastete. Die Nachtelfe hatte aus nächster Entfernung einen Pfeil auf sie abgeschossen, dem sie nicht schnell genug hatte ausweichen können. Sie hatte den Treffer nicht gespürt, doch ihr Auge war nun zugeschwollen und sie sah nur noch durch einen dunstigen Schleier. Das war auch der Grund, warum sie den letzten Angriff nicht richtig hatte parieren können. Die Nachtelfe hatte diese Schwäche sofort erkannt und ausgenutzt.
Hass, Wut und der unnachgiebige Wunsch nach Rache hatten sie dazu verleitet, damit zu prahlen, dass sie in eine Falle getappt waren und dies alles nur der Ablenkung von dem Connor-Kind diente.
Aber es war unwichtig. Die anderen Elfen waren schwer verletzt dank Fendev und das einzige was nun zählte war, das Kind zu holen und sich am Leid der Hinterbliebenen zu erfreuen.
Sie gab Fendev, der hinter ihr flog, ein Zeichen, dass sie sich zum vereinbarten Treffpunkt begeben würden.

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