Erkennbar missmutig blickt die hochgewachsene Draenei auf den frech grinsenden Zwerg hinab, der ihr grade mal bis zur Hüfte reicht.
„Und was wollt Ihrrr fürr diese Hacke dorrt haben?“ Sie zeigt auf eine Spitzhacke mit einer spitzen und einer flachen Seite und einem langen Stiel, die einige Meter weiter in dem kleinen Ausrüstungsladen im Zwergenviertel von Sturmwind an die Wand gelehnt steht.

„Die Hacke dort? Oh, verehrte Dame, das ist eine meiner besten, hähä. Brann Bronzebart selbst hat sie entworfen. Und das beste ist, für lächerliche 5 Goldstücke gehört sie Euch!“

„Brrronzebarrt, soso.“ Calyyn sieht dem Zwerg scharf in die Augen, aber ohne dort irgendwelche Anzeichen von schlechtem Gewissen zu entdecken. „Ich gebe Euch zwei Goldstücke fürr die Hacke.“

„Ihr treibt mich in den Ruin! Sagen wir drei und ich lasse Eure Initialen noch in den Stiel schnitzen. Schützt vor Diebstahl!“

Caalyn seufzt. „Na gut. Und verrgesst die Schnitzerreien. Auf die lege ich keinen Werrt. Auf wieviel kommen wirrr jetzt, alles zusammen?“ Sie zeigt auf das Sammelsurium verschiedenster Gegenstände, das sich mittlerweile auf dem Ladentisch angehäuft hat.

Der Zwerg kratzt sich kurz am Kopf und zieht nachdenklich die Stirn in Falten. „Hm, wenn ich es so zusammenrechne, also, wir wären dann bei 13 Goldstücken. Ein guter Kauf, wenn ich das sagen darf.“

Caalyn zuckt vor Schreck zusammen als sie die Gesamtsumme hört; ihr Budget ist durch den langen Aufenthalt in der Stadt schon beträchtlich zusammengeschmolzen. Sie macht einen plötzlichen Schritt auf den Zwerg zu und tritt mit einem ihrer Hufe übertrieben hart auf dem Holzfussboden auf. „Seid Ihrrr verrrückt? Fürr das bisschen Zeug so eine horrrende Summe?“

Der Zwerg scheint nicht im mindesten erschrocken, geschweige denn beeindruckt zu sein und zieht die Stirn neuerlich in Falten. „Hm, also, ich könnte Euch einen einmaligen Mengenrabatt geben. Mein letztes Angebot: für 11 Goldstücke gehört alles Euch. Bedenkt doch, welche Schätze Ihr mit dieser Ausrüstung findet könnt. Den Preis habt Ihr schnell wieder raus.“

Sie tritt einen Schritt zurück und überlegt kurz, ob sie dem Zwerg den Unterschied zwischen Archäologie und Schatzsuche erklären soll, nimmt aber angesichts des Glitzerns in den Augen des Zwergs davon Abstand. „Ihrr habt Glück, dass ich in Eile bin und keine weiterre Zeit mit Prreisverrrhandlungen verschwenden kann. Packt das Zeug in einen Beutel, ich hole es späterr ab und bezahle es dann auch. Ich habe noch Prroviant einzukaufen.“

„Sehr wohl, meine Dame. Und Ihr habt schon wieder Glück, mein Bruder verkauft Euch gerne soviel Verpflegung, wie Ihr braucht; er hat seinen Laden gleich um die Ecke.“

„Euerrr Brruder, soso?“ Mit diesen Worten dreht sie sich um und verlässt den Laden durch die offenstehende Tür. Als sie hinter sich ein leises Kichern zu hören glaubt, schaut sie kurz zurück und sieht den Zwergen, wie er sich die Hände reibt. Nur kurz, ganz kurz denkt sie daran, in ihre Wolfsgestalt zu schlüpfen und dem Zwerg eine gehörige Abreibung zu verpassen, verwirft den Gedanken aber schnell wieder und macht sich auf den Weg in das Händlerviertel der Stadt, wo sie einen Lebensmittelladen zu finden hofft, der nicht von einem Zwerg geführt wird.

Einen Moment lang wägt sie im Geiste ab, was ihr mehr Unbehagen bereitet: Der Ort ihrer nächsten Ausgrabungsexpedition in den Pestländern oder Preisverhandlungen mit einem störrischen, gierigen Zwerg. „Wirrd Zeit, das ich von hierr forrtkomme.“

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