Xoranya stand in der Nähe des Greifenlandeplatzes am Argentumturnier und beobachtete das geschäftige Treiben.
Zuerst traf Silmareyan ein. Als sie ihn sah, fiel ihr ein Stein vom Herzen. Die Heilkräfte des Druiden waren beeindruckend. Er würde Kondo nicht sterben lassen. Wenn sie ihn fanden. Schnell verdrängte sie diesen Gedanken, bevor er weiter in ihrem Kopf umherspucken konnte.
Bald darauf kamen auch Manari und Elrike an und sie erklärte, was sie herausgefunden hatte und dass sie einen gefährlichen Weg über die verschneite Bergkette tief ins Feindgebiet vor sich hatten.
Nachdem sie die Notfallausrüstung verteilt hatte, machten sie sich auf den Weg. Der Aufstieg war anstrengend. Xoranya sackte bei jedem Schritt tief in den Schnee ein und der kalte Wind schmerzte in ihren Lungen. Aber auch Manari schien trotz ihrer viel längeren Beine außer Atem zu sein, als sie die Spitze erreicht hatten. Blitze zuckten vom Himmel.
Der Abstieg war zwar weniger anstrengend, aber der Weg teilweise vereist und glatt.
Ihm Tal vor ihnen standen die dampfenden Seuchenwagen der Geißel. Grauenvolle Monstrositäten und sabbernde Ghule bewachten das Treiben. Kaum hatten sie das Gebiet betreten, wurden sie von den Untoten angefallen. Überall standen zerstörte Geschützwägen herum, Zeichen der letzten verlorenen Schlacht der Allianztruppen.
Sie versuchten schnell das gewaltige Tor zu erreichen, über das sich in schwindelerregender Höhe eine Brücke zog. Hier schien es ruhiger zu sein und sie hofften, dass Kondo einer direkten Konfrontation mit der Geißel aus dem Weg gegangen war. Auch wenn sie daran zweifelte, trieb sie doch die Hoffnung den anderen zu folgen.

Sie gelangten auf ein Geisterfeld. Xoranya blieb schockiert stehen. Sie sah die ruhlosen Seelen der Gefallenen umherirren und Verzweiflung stieg in ihr auf, dass Kondo unter ihnen sein könnte. Doch Elrike versuchte sie zu trösten und so verbannte sie diesen Gedanken wieder. Am Rand des Feldes entdeckten sie eine Senke.
Sie konnte nicht mehr sagen, was es gewesen war, das sie aufmerksam gemacht hatte. Eine kleine Bewegung oder eine Ahnung. Aber sie hatte etwas gesehen und das reichte aus, um sofort loszurennen.
Und tatsächlich lag er dort. Ohne Rüstung, ohne Waffe und Schild. Seine Haut war bläulich und seine Glieder steifgefroren.

Schnell breiteten sie die mitgebrachten Decken aus und entzündeten ein Feuer.
Kondo murmelte halb bei Bewusstsein unverständliches Zeug vor sich hin. Es dauerte lange, bis er sie wirklich erkannte.
Xoranya fühlte sich so hilflos wie noch nie. Sie redete immer wieder beruhigend auf ihn ein. Silmareyans Versuche seine Lebenskräfte zu stärken zeigten trotz der Widrigkeiten schließlich Erfolg. Er und Elrike bereiteten einen Tee, den Xoranya langsam versuchte Kondo einzuflößen.
Fest stand, sie mussten hier weg und zwar möglichst schnell. Der Druide bot sich an vom Turnierplatz Greifenreiter zu holen. Mit großen Augen sahen sie zu, wie er sich in eine Krähe verwandelte und im schwarzen wolkenverhangenen Himmel verschwand.
Kondo phantasierte. Aber immerhin trank er den Tee, der ihn wärmen sollte bis Hilfe kam.
Stunden vergingen und selbst unter Xoranyas mit Pelz gefütterter Plattenrüstung drang langsam aber sicher die Kälte.
Elrike hatte eine Wunde an seinem Kopf notdürftig versorgt. Welche Verletzungen es sonst noch erlitten hatte, konnten sie nicht feststellen.
Heftiger Flügelschlag ließ sie aufblicken. Auf den Rücken edler goldener Greife saßen Zwerge, von denen einer Kommandos zur Landung brüllte.
Vorsichtig schnallten sie Kondo auf einem der Greifen fest. Sein Reiter versicherte, gut auf ihn aufzupassen und so schwangen sich auch die anderen auf die wartenden Tiere.
Trotz des aufziehenden Sturmes lagen die Vögel ruhig in der Luft und brachten sie schnell und sicher zum Turnierplatz. Doch für Kondo war diese Anstrengung zu viel gewesen. Er verlor das Bewusstsein und gemeinsam schleppten sie ihn ins Lazarett.
Dort schien er kurzzeitig wieder zu sich zu kommen und ließ sich die Medizin, die Manari von einer Schwester besorgen konnte verabreichen.
Sie würde nicht von seinem Bett weichen, bis er wieder vollständig bei Kräften war und so bedankte sie sich bei ihren Kameraden und Freunden für die Hilfe und ihren Einsatz. Denn sie wusste, in diesen Zeiten war der Zusammenhalt das wichtigste Gut.

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