Xoranya ließ sich auf das Bett fallen. Sie streckte die Arme aus und schloss die Augen. Vom Marktplatz war das Geschrei der Marktweiber zu hören, die zum Feierabendgeschäft noch ihre letzten Waren versuchten an den Mann zu bringen. Unterbrochen durch das Knattern der Leiterwagen und das Fluchen ihrer Besitzer, die versuchten sich einen Weg aus der Stadt zu bahnen.
So ausgelaugt hatte sie sich schon lange nicht mehr gefühlt. Die letzten Tage hatte sie damit verbracht, kreuz und quer durch Sturmwind zu laufen, Geschäfte anzusehen und mit den Inhabern Verhandlungen über den Mietpreis zu führen. Und mehr als einmal bedauerte sie es, ihren Streitkolben zu Hause gelassen zu haben.
Sie hatte sich in den Kopf gesetzt einen kleinen Juwelierladen zu eröffnen. Das lukrative Geschäft wollte sie nicht länger ihren Kontaktmännern und Auktionatoren überlassen, die ihre Ware für sie verkauften. Tief in ihrem Inneren war seit einiger Zeit das Bedürfnis gewachsen sesshaft zu werden. Eine Existenz jenseits des Schlachtfeldes zu sichern. Und mit dem filigranen Handwerk hatte sie etwas gefunden, das sie ausgeglichener machte, weniger reizbar, das ihr innere Ruhe schenkte.
Es hatte sich so viel verändert. Vor einem Jahr noch war sie ziellos umhergeirrt, hatte nach ihrem Platz in dieser Welt gesucht. Nun war sie Teil des Kreuzzuges, kämpfte für die Werte, denen sie ihr Leben verschrieben hatte. Und an ihrer Seite stand der großartigste Mann, den sie sich je hätte vorstellen können. Und er gehörte nur ihr allein.
Sie lächelte.
Es klopfte an der Tür. „Mylady? Euer Bad ist fertig!“
Xoranya setzte sich auf. „Ich komme!“ Sie nahm ein leichtes Seidenkleid vom Stuhl neben dem Bett und ging hinunter zur Waschküche. Die Magd half ihr die aufwendig bestickte und mit Perlen verzierte Robe auszuziehen.
Mit einem langen Seufzen glitt sie in das dampfende, nach Rosen duftende Wasser.
Die ganzen Angebote gingen ihr durch den Kopf und sie begann wieder herumzurechnen. Aber letztendlich war es egal, ob sie ein geräumigeres Geschäft hier abseits der großen Straßen oder ein paar kleine Zimmer in Dalaran mietete, da wo Trubel auf allen Straßen herrschte und den Bewohner das Beste gerade gut genug war. Sturmwind hatte sie nicht so schmutzig in Erinnerung, wie es ihr nun vorkam. Ihre Gedanken kreisten noch ein wenig um die wundersame, glänzende Stadt Dalaran und landeten schließlich bei Kondo. Mehr als eine Woche war vergangen, seit sie seinen Brief gefunden hatte und immer noch war keine Nachricht von ihm eingetroffen. Langsam machte sie sich Sorgen. Auch hier in Sturmwind konnte sie keine Zerstreuung finden.
Sie stieg aus dem Holztrog und trocknete sich ab. Wieder allein in ihrem Zimmer hielt sie es nicht lange aus. Sie schlüpfte in legere Kleidung und steckte einen Dolch in den rechten Stiefel. Des Nachts in den dunklen Gassen Sturmwinds verbarg sich so mancher Halunke, dem sie nicht unbewaffnet entgegen treten wollte.
Sie schlenderte aus der güldenen Rose Richtung Park, wo eine neue Taverne ihre Türen geöffnet hatte. Vielleicht konnte sie dort die trüben Gedanken loswerden, die sie plagten.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s