Es war ein wundervoller Tag. Die Sonne schien vom blauen klaren Himmel und trotz des eisigen Windes wärmten ihre Strahlen das Gesicht von Wache Jones. Der Leutnant der Stadtwache war auf seinem letzten Rundgang durch Sturmwind. Alles ruhig, die Stadt war noch nicht richtig erwacht. Die Händler auf dem Markt priesen lauthals ihre Waren an, ein Bettler saß am Tor, spielende Kinder rannten um ihn herum und liefen kreischend davon, als er rügend den Zeigefinger hob.
Jones schritt durch das Tor von Sturmwind und lauschte kurz auf den Zwitschern der Vögel. Er straffte seinen Wappenrock und machte kehrt.
„Was für ein herrlicher Tag!“
Als er wieder zurück in die Stadt gehen wollte, erregte ein Schriftstück seine Aufmerkamkeit. „Was beim Nether….“
Er riss einen dreckigen Zettel von der Wand und wollte ihn schon zerknüllen, als das Wort „gefangen“ in sein Blickfeld geriet.
„So ein Scheiß! Irgendwas muss ja immer sein.“ Mißmutig stapfte er zur Kaserne zurück und legte seinem Hauptmann den Zettel vor.
Jones salutierte knapp. „Melde gehorsamst …. keine besonderen Vorkommnisse in der Stadt. Am Stadttor habe ich diesen Zettel gefunden.“
Der Hauptmann griff nach dem Schriftstück und lehnte sich in seinem Stuhl zurück.
„Kondo Connor….hm, Kondo Connor… JACK!“ brüllte er plötzlich laut.
„Du kannst wegtreten, Jones!“
„Ehre dem König!“ Jones salutierte und ging leichtfüßig die Treppe hinunter. Fast stieß er mit Jack zusammen, dem Knappen des Hauptmanns, der wie von der Tarantel gestocken die Treppe hochjagte.
„Ja, Sir?“ sagte der Junge außer Atem.
„Schau doch mal in dem Ritterverzeichnis nach, ob du da nicht einen Kondo Connor findest. Der Name kommt mir irgendwie bekannt vor.“
Und so schnell wie der Junge gekommen war, war er auch schon wieder verschwunden.
Der Hauptmann begann einen Eintrag in sein Logbuch zu schreiben, sah dabei immer wieder auf den Zettel und schüttelte den Kopf. Kurz darauf kam Jack wieder zurück, einen Kodex in Händen, fast so groß wie er selbst. Er ließ das mit Eisenbeschlägen und Goldschnitt verzierte Buch auf den Tisch fallen. Nur ganz knapp konnte er seine Finger darunter wegziehen, bevor er sie einklemmte. Er fuhr über die Zeilen und blieb an einer Stelle stehen.
„Sir Kondo Connor, Paladin der silbernen Hand, Ritter des Königs, Verbindungsoffizier der Nachtelfen“, Jack sah auf in der Hoffnung das richtige gesagt zu haben.
Der Hauptmann sah nochmal auf den Zettel.
„Ja, richtig, Tempelwache. Na dann müssen wir uns ja nicht damit rumärgern. Hab eh keine Leute. Hier, bring das zum Hafen, wo sich der kümmerliche Rest der nachtelfischen Delegation niedergelassen hat. Arme Schweine… der schöne Park.“ Der Hauptmann wedelte mit dem Zettel. Jack verstaute ihn in seiner Umhängetasche und machte sich daran, den Kodex wieder aufzuräumen.
Danach huschte er durch die mittlerweile recht belebten Straßen Sturmwinds zum Hafen. Die Nachtelfen schienen ihn erst garnicht bemerken zu wollen, bis er an der Robe eines Druiden zupfte.
„Das ist eine Nachricht für die Tempelwache. Sehr wichtig!“ sagte Jack.
Der Druide sah in lange an, bevor er das dreckige Stück Papier vorsichtig mit zwei Fingern anfasste. Er brummelte etwas, das Jack nicht verstand und reichte dem Jungen ein kleines Beutelchen.
Fröhlich hüpfte Jack davon. Aber als er den Beutel öffnete, kamen keine Kupferstücke hervor, sondern braunes Kraut.
„Na toll! Was solln das fürne Bezahlung sein!“ Doch er wußte schon, was er damit anfangen konnte und streunte noch etwas durch den Hafen.

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