Xoranya lächelte als sie ihr Gesicht in die warmen Sonnenstrahlen hielt und dem Zwitschern der Vögel lauschte. Der Duft von Rosen stieg in ihre Nase. Ganz Sturmwind war mit herzförmigen Blumengebinden geschmückt und die Menschen liefen lachend und scherzend durch die Straßen. Bisweilen war es ihr etwas zu viel, sich durch die Menge quetschen zu müssen, aber die gute Laune der Leute steckte sie doch an und alle Sorgen und Nöte waren vergessen.
Bis auf eine, die sie in letzter Zeit wieder verfolgte, nicht in Träumen so wie damals. Doch wenn sie tagsüber durch die Stadt schlenderte, musste sie immer wieder an ihren Vater und Bruder denken und das Schicksal, das sie von ihnen für immer trennt hatte. Wie ein dunkler Schatten legte es sich auf ihr Gemüt und ließ sie still und traurig werden.
Daher hatte sie einen Entschluss gefasst und wartete nun auf Kondo, um ihn zu bitten sie dabei zu unterstützen.
Kondo kam in seinem feinen Festtagsanzug und umarmte und küsste sie, noch ehe sie „Hallo!“ sagen konnte.

Er erzählte, wie froh er war einige Zeit von Aufträgen des Königs befreit worden zu sein, um in ihrer Nähe sein zu können. Xoranya hoffte inständig, dass nicht wieder etwas Unvorhergesehenes geschehen würde, um sie voneinander zu trennen.
Sie erzählte Kondo davon, dass sie gerne ein letztes Mal vor der Geburt das Grab ihrer Familie bei der Späherkuppe besuchen wollte. Kondo hielt das natürlich für keine gute Idee, aber sie konnte ihn überzeugen, dass es ihr momentan so gut ging, dass sie sich diese Reise zutraute und dass sie mit Kind solche Unternehmungen nicht mehr machen konnte.
Xoranyas Blick verriet, wie wichtig ihr diese Reise war, um alle Zweifel und Trauer hinter sich lassen zu können, damit sie in eine neue Zukunft mit ihrer eigenen kleinen Familie treten konnte.
Kondo organisierte daraufhin sein Mammut, das mit sehr bequemen Reitsesseln ausgestattet war. Xoranya hatte zwar etwas Schwierigkeiten hinaufzuklettern, aber die weichen Polster und die erhabene Aussicht entschädigten für die Mühe. Überhaupt war das sanfte Schaukeln sehr angenehm und sie musste aufpassen, dass sie bei der Reise nach Westfall nicht einschlief.

Als sie an der Späherkuppe ankamen, erkannte sie den Ort fast nicht wieder. Eine gewaltige Mauer war errichtet worden und innerhalb lieferten sich die Brigade und Defiastruppen einen erbitterten Stellungskampf. Kondo führte sie schnell Richtung Turm und dann zum Friedhof, ohne dass jemand sie weiter beachtete.
Lange konnten sie sich hier nicht aufhalten und so legte Xoranya die weißen Rosen auf das Grab und betete für die Verstorbenen. Sie nahm eine Handvoll Erde und ließ sie in eine kleine Tasche rieseln, damit sie das Andenken an ihren Vater und Bruder ständig bei sich tragen konnte.

Und wenn eines Tages ihr Kind alt genug war, dann würde sie ihm erzählen, welchen heldenhaften Tod seine Ahnen gefunden haben. Welchen Mut und welche Stärke sie besessen hatten, so selbstlos zu handeln. Und sie schwor sich dies alles an ihr Kind weiterzugeben.
Bevor sich die Kämpfe weiter in ihre Richtung verlagern konnten, bestiegen sie wieder das Mammut und machten sich auf den Rückweg nach Sturmwind. Als sie dort ankamen war es bereits später Abend und der Hunger quälte sie. Genau genommen hatte sie permanent Hunger und so war es auch nicht schwer, Kondo zu überreden noch eine Kleinigkeit essen zu gehen.
Zufrieden, glücklich, müde und schließlich auch satt verbrachten sie den Abend im Gasthaus zum Pfeifenden Schwein. Xoranyas Herz schien an diesem Abend etwas leichter zu schlagen und ihr Strahlen noch etwas heller zu sein.

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