Xoranya blinzelte leicht. Ihr Nacken fühlte sich verspannt an. Sie tastete mit der Hand das Bett ab. Kondo war schon fort. Langsam krabbelte sie unter der Bettdecke hervor und legte ihre Rüstung an. Als sie in den Gastraum trat sah sie noch wie die Gastwirtin einem Gnom zunickte und in ihre Richtung deutete. Der Gnom verbeugte sich elegant und tippelte auf Xoranya zu.
„Xoranya Wallerstein?“, fragte er mit einem breiten Lächeln.
Xoranya sah verwundert hinunter zu dem kleinen Wesen.
„Ja, das bin ich.“ Der Gnom gab sich mit der Antwort zufrieden, streckte ihr einen Brief entgegen und lächelte gewinnend. Xoranya kramte ein Goldstück aus ihrer Börse und drückte es ihm in die Hand.
„Das Licht schütze dich!“, sagte sie knapp.
Der Gnom verbeugte sich. „Habt Dank, Mylady!“ Dann drehte er sich um und tippelte eine Melodie pfeifend hinaus.
Der Brief war leicht verschmutzt und die Ecken etwas eingedrückt. Es sah so aus, als wäre er längere Zeit unterwegs gewesen, bis er seinen Adressaten gefunden hatte.
Xoranya erbrach das schwarze Siegel und begann zu lesen. Ihr Atem ging schwerer und ihre Augen rasten über die Zeilen. In ihren Ohren begann das Blut zu rauschen und sie stütze sich an die Wand des Gasthauses. Langsam wankte sie zurück in ihr Zimmer, ihren Blick immer noch auf den Brief gerichtet, und setzte sich auf das Bett.
Tränen begannen über ihr Gesicht zu rinnen und tropften auf das Pergament. Sie stützte den Kopf auf ihre Hand und schloss die Augen. Ihre Schultern bebten unter dem leisen Schluchzen und der Brief fiel zu Boden.

Im Andenken an einen großen Mann
Lord Gandor von Lohenscheidt
seines Zeichens Paladin der heiligen Kirche des Lichts
beugen wir ehrfürchtig unser Haupt.
Als Ritter des Ordens der Silberhand unterrichtete er zahllose junge Männer und Frauen in den Lehren des Lichts.
Nach dem Fall Lordaerons widmete er sein Leben dem Kampf der Geißel als Kommandant der Argentumdämmerung.
An der Seite Hochlord Tirion Fordings und des neu formierten Argentumkrezzuges reiste er nach Nordend, um den Lichkönig zu unterwerfen.
Er starb im Kampf für das Licht und den Glauben.
Er ließ sein Leben, um das unsere zu retten.
Mit ihm ist ein großer Mann und Paladin von uns gegangen.
Erweisen wir ihm die Ehre und kämpfen weiter für seine und unsere Ideale.
Für das Licht!
Für die Freiheit!

gez. Hochlord Tirion Fordring

Darunter ist kaum lesbar eine Notiz in krakeliger Schrift zu erkennen.

Liebe Xoranya, ich hoffe dich erreicht dieses Schreiben irgendwie. In Erinnerung an unsere Jugend. Ich wünschte du wärest hier bei uns. Dein Thorben

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