Die Luft war kalt und klamm. Dunst hing über Allerias Feste und spärliches Tageslicht durchbrach die gewaltigen Wälder, die den kleinen Stützpunkt umgaben. Xoranya war beeindruckt von der Kombination menschlicher und hochelfischer Architektur. Sie erinnerte sich an die kleinen Siedlungen in Quel’Thalas, die sie in jungen Jahren besucht hatte. Der Glanz und Pomp war faszinierend.
Doch von jenem Glanz war hier nichts mehr zu spüren. Die Gesichter der Menschen und Elfen waren kühl und ihre Blicke leer. Xoranya ging schnell zum Rathaus, um Informationen über die derzeitige Lage einzuholen. Sie sprach gerade mit einer Elfe, als Kondo sie stürmisch umarmte und leicht hochhob.
„Hallo, mein Schatz. Ich hab dich so vermisst,“ sagte er und gab ihr einen leidenschaftlichen Kuss.
„Nicht so stürmisch, ich kriege ja keine Luft!“ protestierte Xoranya gespielt vorwurfsvoll. Dann konnte sie ihr Lächeln aber nicht mehr zurückhalten und umarmte Kondo freudig.
„Wo warst du blos so lange?“

Wie lange sie am Eingang des Rathauses gestanden hatten, konnte Xoranya nicht sagen. Ihr schien es viel zu kurz. Aber eine lautstarke Unterhaltung der Wachleute über die Arakkoa machte sie hellhörig.
Xoranya erzählte Kondo von den Aufträgen, die sie erhalten hatte. Die dunkle Magie, die von den verschiedenen Stämmen an heiligen Orten der Draenei praktiziert wurde, war nicht unerkannt geblieben. Es war an der Zeit, dass die Köpfe der Anführer rollten.
Zwei der Lager hatten sie schon ausfindig gemacht, doch bei der Suche nach dem letzten stießen sie auf eine Siedlung von Blutelfen. Sie war stark bewacht und die beiden Paladine konnten sich nur mit Mühe ungesehen nähern. Was sie auf dem Platz in der Mitte der Siedlung sahen, verschlug ihnen jedoch die Sprache. Eine gewaltige, surrende Kugel schwebte über einem Podest. Umgeben war sie von magischen Runenkreisen, in denen Magier seltsame Beschwörungsrituale vollführten. Sie beobachteten die unheimliche Szene einige Momente, als ein Blutelf sie angriff. Xoranya riß ihr Schwert nach oben, um den Schlag zu parieren. Kondo brachte den Angreifer mit einem Seitenhieb zum Taumeln. Die leichte Metallrüstung des Blutelfen gab nach, als Xoranya die Klinge ihres Schwertes durchzog. Blut strömte aus der offenen Wunde. Der Elf sackte zusammen und Kondo schickte ihn mit einem Schildschlag in die Dunkelheit der Bewusstlosigkeit. Gemeinsam zerrten sie den Körper fort vom Weg und ließen ihn hinter einem Busch liegen.
„Wir sollten weg, bevor wir noch mehr Aufmerksamkeit erregen!“ flüsterte Xoranya.
Kondo nickte und gemeinsam verschwanden sie im düsteren Schimmer der Wälder.

Das letzte Lager der Arakkoa hatten sie immer noch nicht gefunden, als sie wieder eine Straße erreichten, die über eine Brücke hinauf in die Berge führte.
„Wo führt diese Straße hin?“ Xoranya sah in Richtung des grünen Dunstes, der hinter den Berggipfeln emporstieg.
„Dort wird es dir nicht gefallen, Schatz. Dämonen haben dieses Gebiet unter ihre Kontrolle gebracht.“ Kondo beobachtete sie eine Weile und lächelte dann. „Willst du dir ein Bild davon machen?“
Xoranya zögerte. Sie hatte ein ungutes Gefühl, doch ihre Neugier siegte schließlich und sie nickte.
Seite an Seite ritten sie den schmalen Pfad hinauf. Als sie den Gipfel fast erreicht hatten, konnte Xoranya erkennen, worauf Kondo hinauswollte. Ihr Atem stockte, als sie die gewaltigen Dämonen sah. Die geflügelten Wesen waren größer als alles, was sie bisher gesehen hatte. Dazwischen konnte sie etwas erkennen, das wie diese grauenvollen Monstrositäten aus den Pestländern aussah, nur dass technische Geräte in dieser Ansammlung aus Fleischresten verbaut zu sein schienen. Sie wendete sich ab.
„Es ist ein Außenposten der Wildhammer-Zwerge in der Nähe“, sagte Kondo und ritt voran.
Xoranya folgte ihm dicht auf.
Abseits der Straße streunten gewaltige Eber umher. Xoranya fragte sich, wovon sich die Tiere ernährten. Lebensfeindlicher als diese Gegend konnte kaum ein Landstrich sein.
Plötzlich hörte sie ein markerschütterndes Grunzen direkt hinter sich und wurde vom Pferd geworfen. Unsanft landete sie in der verrußten Erde und spürte einen gewaltigen Stoß. Sie griff nach ihrem Schwert, doch die Bestie versuchte sie mit ihren Stoßzähnen aufzuspießen. Als sie zu Boden geschmettert wurde, blieb ihr die Luft weg. Sie hob ihren linken Arm, um das Tier abzuwehren und versuchte sich wieder aufzurichten. Doch einen Augenblick später war der Eber über ihr und sie spürte den feuchtwarmen Atem in ihrem Gesicht. Sie sah noch einen gleißenden Lichtblitz, dann ließ das Monster von ihr ab. Xoranya sprang auf und zog ihr Schwert. Mit Schwung ließ sie die Klinge auf das brüllende Tier niederfahren. Der Eber brach unter den Verletzungen, die Kondo ihm bereits zugefügt hatte zusammen.
„Alles in Ordnung?“ Kondo sah sie besorgt an.
Xoranya nickte. „Diese widerlichen Viecher. Ich wollte heute eigentlich nicht als Mahlzeit herhalten.“ Sie versuchte zu lächeln und stieg wieder auf ihr Roß. Ein brennender Schmerz durchfuhr ihren linken Arm, als sie die Zügel straffte.
„Verdammt!“, entfuhr es ihr.
„Was ist?“, Kondo kam näher.
„Dieses Mistvieh hat mich erwischt,“ sie befühlte die ungeschützte Stelle am Ellenbogen und zuckte zusammen. „Sehen wir lieber, dass wir hier wegkommen, bevor noch so eine Bestie auftaucht.“
Kondo wendete sein Pferd und ritt voraus. Zur Feste der Wildhammerzwerge war es nicht mehr weit.

Die Knochenwüste war ein gespenstischer Ort. Völlig verloren wirkte die Flüchtlingskarawane, die hier verzweifelt die Stellung hielt. Man hatte ihnen in Allerias Feste gesagt, dass nördlich der Knochenwüste Arakkoa gesichtet wurden. Nun fragten sie hier nach, ob mehr bekannt war.
Während Kondo mit einem der Draenei sprach, zupfte jemand an Xoranyas Wappenrock. Sie sah von ihrem Pferd herab in das lächelnde Gesicht eines Jungen.
„Bist du gekommen, um meine Freunde zu suchen?“, fragte er frech.
Xoranya sah ihn freundlich an. „Deine Freunde? Was ist mit ihnen?“
Der Junge druckste etwas herum. „Da waren eines Nachts so komische Wesen und dann waren meine Freunde fort. Jetzt sind sie schon mehrere Tage weg.“ Er zog eine Schnute. „Bitte, bitte, bitte!“
„Versprochen!“, Xoranya lächelte ihm zu. „Wir werden sie bestimmt finden!“ Zumindest hoffte sie das.
„Danke!“ Der Junge hüpfte singend davon. Xoranya sah ihm nach, erstaunt darüber wie unbeschwert er wirkte, in dieser Welt , ungewiß ob er den nächsten Tag erlebte.

Das Lager der Arakkoa war nicht weit weg. Und noch während sie sich den Hütten näherten, erkannte Xoranya was mit den Freunden des kleinen Jungen geschehen war. In Käfigen saßen sie zusammengepfercht und wimmerten. Wut stieg in ihr empor. Sie zog ihr Schwert und stürmte auf die vogelartigen Wesen zu. Einen Moment spürte sie den Schmerz in ihrem linken Arm, doch als der erste Gegner tot zu ihren Füßen lag, wurde sie vom Kampfrausch überflutet und jede Empfindung schwand.
Bei den toten Arakkoa fanden sie Schlüssel, mit denen sie die Kinder aus den Käfigen befreiten. Im Zentrum des Lagers schwebte über einem glühenden Runenkreis ein gewaltiger Monolith. Xoranya erinnerte sich an das was einer der verstoßenen Arakkoa beim Flüchtlingslager über sein Volk gesagt hatte. Die schwarze Magie, die seine Artgenossen praktizierten, würden sein Volk verderben, so dass jede Rettung zu spät käme. Er hatte ihr einen magischen Gegenstand mitgegeben, mit dem sie diesem Treiben ein Ende bereiten konnte. Sie zog das Artefakt aus ihrem Rucksack und fokussierte den Monolith. Ein dumpfes Surren erklang, das immer lauter wurde, bis Xoranya sich am liebsten die Ohren zugehalten hätte. Doch sie richtete weiter mit aller Kraft das Artefakt auf den Monolith. Die Kräfte, die entfesselt wurden brachten sie fast aus dem Gleichgewicht. Doch sie stemmte sich dem Druck entgegen. Ein lauter Knall ertönte und ein Riss fuhr durch den Monolith, als er auseinanderbrach und herabstürzte.
Die verbliebenen Arakkoa ließ das unbeeindruckt. Sie widmeten sich weiterhin ihren dunklen Zaubern und beachteten die Paladine nicht weiter.

Als Xoranya und Kondo ihre Unterkunft auf der Aldorhöhe betraten, meldeten sich wieder Xoranyas Schmerzen im linken Arm. Sie legte ihre Rüstung ab, um sich den Arm anzusehen. Der Ellenbogen war stark geschwollen.
„Das sieht nicht gut aus, du sollest morgen einen Arzt aufsuchen!“, sagte Kondo.
Doch Xoranya war zu müde, um weiter auf ihr Misstrauen den Ärzten gegenüber einzugehen. Sie legte ihre Hand auf den Ellenbogen und sprach für sich ein Gebet. Wärme breitete sich von ihrer Hand aus und die Schmerzen ließen nach.
Das wird schon wieder, dachte sie bei sich und legte sich zu Kondo ins Bett.
Sie fühlte sich matt und wie von einem Schleier umgeben. Schnell fiel sie in einen tiefen Schlaf.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s