Es war ein herrlicher Tag. Xoranya hatte ihren Wachdienst im Tempel der Elune gerade beendet und schlenderte durch die Straßen von Darnassus. Sie fühlte sich hier wohl. Diese angenehme Ruhe, die von dem großen Baum Teldrassil ausging und von den Nachtelfen hier hatte etwas Meditatives. Sie fühlte sich eins mit der Welt und war von einer unbändigen Energie erfüllt. An keinem Ort der Welt hatte sie sich je so aufgehoben gefühlt.
Als sie gerade in Gedanken in den Tempelgärten umherspazierte, vernahm sie eine warme Stimme hinter sich.
„Elune adore, Xoranya.“ Sie drehte sich um und sah in das Gesicht einer großen Nachtelfe. Es war mit einer dieser eigenartigen Tätowierungen verziert und von hüftlangen mintgrünen Haaren eingerahmt.
Xoranya salutierte. „Sei gegrüßt, Präses Saviya.“ Sie schaffte es immer wieder, sich unbemerkt zu nähern. Ein Druide eben, dachte Xoranya bei sich.
„Die Tempelwache hat einen neuen Novizen. Kondo Connor ist sein Name. Er ist, wie du, ein Paladin. Ein junger Hitzkopf, würde ich sagen. Aber ich bin sicher, du schaffst es, ihm den rechten Weg zu weisen. Du wirst seine Ausbildung zum Wächter übernehmen.“
„Jawohl!“, Xoranya deutete eine Verbeugung an.
„Er wartet auf dich in Auberdine.“
Saviya nickte ihr zu und ging zurück in Richtung Tempel.
Xoranya rückte ihre Uniform zurecht und schnallte das Schild auf ihren Rücken. Im Laufschritt machte sie sich auf den Weg zum Flugmeister, um einen Flug nach Auberdine zu buchen.

Als sie von der Flugplattform in Auberdine herunterkam, sah sie einen jungen Mann am Mondbrunnen sitzen. Da sonst nur Nachtelfen in Auberdine unterwegs waren, musste er der neue Novize sein. Er hatte kurze blonde Haare und einen ernsten Gesichtsausdruck. Seine Rüstung sah abgenutzt und alt aus. Aber er trug ein gut gearbeitetes Schild und ein einfaches Schwert.
Er bemerkte sie sofort, als sie sich ihm näherte und erhob sich.
„Sei gegrüßt! Du musst Kondo sein. Mein Name ist Xoranya Wallerstein. Saviya sagte mir, ich würde dich hier finden.“
„Ich freue mich, dich kennen zu lernen. Ich bin Kondo Connor.“ Ein sanftes Lächeln umspielte seine Lippen.
Eine warme Flutwelle durchströmte Xoranyas Körper. Sie hatte schon viele Männer kennengelernt, die Seite an Seite mit ihr gekämpft haben. Sie alle hatten eine enorme Ausstrahlung, die ihnen das Licht verlieh. Aber für keinen hatte sie sofort solche Sympathie empfunden wie für ihn, den sie gerade seit wenigen Sekunden kannte.
Xoranya lächelte schüchtern.
„Ich bin für deine Ausbildung zum Tempelwächter zuständig. Ich nehme an, du kennst die nachtelfischen Gebiete noch nicht,“ sagte sie.
„Nein, hierher bin ich noch nicht gekommen.“
„Dann lass uns nach Astranaar reisen. Die dortigen Schildwachen benötigen immer militärische Unterstützung.“
„Ich folge dir,“ sagte Kondo.
Im Laufschritt verließen sie Auberdine in Richtung Astranaar.

Die Betten der Nachtelfen waren für Xoranyas Geschmack etwas zu hart, aber dafür waren sie sehr groß. Man konnte sich ausgiebig darin strecken und fiel beim Umdrehen nicht gleich heraus. Sie lag auf dem Rücken und starrte an die Decke.
Die Erinnerungen an den heutigen Tag gingen ihr nicht aus dem Kopf.
Sie sah Kondos Gesicht vor sich. Sein warmes Lächeln und seine etwas unbeholfene Art. Er hatte mit seiner Ausbildung zum Paladin gerade erst begonnen. Und Xoranya wusste, welchen schweren Weg er noch vor sich hatte.
Gemeinsam hatten sie heute ein Heilmittel für Relara Weißmond beschafft. Das arme Kind wurde von unerklärlichem Fieber heimgesucht. Doch nun ging es ihr schon wieder besser.
Kondo hatte sich als sehr geschickter Kämpfer und angenehmer Gesprächspartner erwiesen. Xoranya hatte das Gefühl, dass auch er sie gerne mochte.
Mit einem sanftem Lächeln schlief sie ein.

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