Einige Tage zuvor:

Bruder Anton war mit ihrem Erfolg im Tal der Knochen sehr zufrieden. Er schickte Xoranya und Kondo weiter nach Süderstade, um mit Raleigh in dieser Angelegenheit zu sprechen.
Doch was Raleigh zu berichten hatte, verwirrte Xoranya. Raleigh forderte von ihnen, den scharlachroten Kreuzzug in seinem angestammten Kloster in Tirisfal zu bekämpfen. Er sprach davon, dass der Kreuzzug seine wahren Ziele aus den Augen verloren hatte und nun alles und jeden als von der Geißel verseucht ansah.
Xoranya bestürzte diese Nachricht sehr. Sie konnte sich erinnern, im Dritten Krieg an der Seite einiger Kreuzzügler gegen die Geißel gekämpft zu haben. Und sie hatte diese furchtlosen Krieger teilweise bewundert, wie leidenschaftlich sie für das Licht kämpften. Und nun sollten sie sich gegen ihre eigenen Leute gewendet haben? Xoranya konnte das nicht glauben.

Für die Reise nach Tirisfal waren einige Vorbereitungen nötig. Xoranya kontaktierte Tsimmi, den Zwergenkrieger, ebenfalls Mitglied der Tempelwache, damit er sie bei dieser gefährlichen Mission begleite.
Xoranya hatte aber nicht vor, gewaltsam in das Kloster einzudringen. Sie wollte zunächst versuchen, auf friedlichem Weg herauszufinden, was dort vor sich ging.
Doch schon bald nach ihrer Ankunft zeigte sich, dass das Kloster schwer bewacht wurde und keine Kontaktaufnahme möglich war. Und so blieb ihnen nichts anderes übrig, als sich ihren Weg durch die Adepten zu kämpfen.
„Verblendete!“, schimpfte Tsimmi.
Tatsächlich schienen die Kreuzzügler sie als von der Seuche befallen anzusehen. Immer wieder versuchte man, sie zu reinigen.

In dem ersten Flügel des Klosters, den sie betraten, befand sich eine Bibliothek. Diese wurde von einigen Wächtern und einem Arkanisten geschützt. Xoranya, Kondo und Tsimmi konnten die Wächter und den Arkanisten in die Flucht schlagen.
Der findige Zwerg hatte sofort eine Truhe entdeckt, in der sich ein geheimnisvoller Schlüssel befand.
„Hm, hier scheint es etwas zu geben, was es wert ist, weggesperrt zu werden,“ grummelte Tsimmi.
„Fragt sich nur was?“, meinte Kondo.
Xoranya blätterte derweil in einem Folianten, der aufgeschlagen auf einem Tisch lag. Er enthielt viele Zauberformeln und Abbildungen von magischen Artefakten. Das war für Xoranya zu hoch. Sie sah sich in der Bibliothek um und entdeckte in einem Regal ein unscheinbares Buch, das ihre Aufmerksamkeit erregte.
Die Kapitelüberschriften ließen vermuten, dass es vom scharlachroten Kreuzzug handelte. Sie beschloss, es mitzunehmen und in Ruhe darin zu lesen, um mehr Informationen über den Kreuzzug zu erhalten. Vielleicht konnte ihr das helfen zu verstehen, was hier vor sich ging.

Tsimmi drängte die beiden Paladine, nach den verschlossenen Türen zu suchen, zu denen der gefundene Schlüssel passte. In der großen Eingangshalle wurden sie fündig. Zwei große Tore waren verschlossen.
Durch die erste Tür gelangten sie in einen Kreuzgang, der offenbar als Schießstand genutzt wurde. Die dort trainierenden Rekruten stürzten sich sofort auf sie.
Über eine Treppe gelangten sie in ein Gewölbe, in dem ein riesiges Waffenarsenal lagerte. Schuß- und Stangenwaffen aller Art, Kanonen und Munition.
Schließlich kamen sie in eine große Halle, die von riesigen Statuen geschmückt wurde.
In der Mitte der Halle stand ein schwer gerüsteter Mann.
Xoranya glaubte einen Augenblick, dass sie doch noch ein klärendes Gespräch führen konnte. Doch im nächsten Moment griff er sie an und rief eine große Zahl seiner Anhänger zu seiner Verteidigung herbei.

Nachdem sie den Champion besiegt hatten, schickten sie sich an, das letzte Tor zu öffnen.
Xoranya war nicht wohl bei der Sache. Etwas in ihr sagte, dass es falsch war gegen diese Menschen zu kämpfen.
Doch Tsimmi war davon überzeugt, dass sie das Richtige taten und führte sie weiter.
Sie standen in einem prächtigen Innenhof, in dessen Mitte sich ein großer Springbrunnen befand. Stufen führten zu einer erhaben wirkenden Kathedrale hinauf. Einige Priester beteten in dem Gotteshaus und bemerken die Eindringliche sofort.
Am Altar befand sich ein hochgewachsener Mann, den Xoranya sofort als Paladin erkannte.
„Das muss Mograine sein, der Kommandant“, flüsterte Tsimmi.
Xoranya gab Kondo ein Zeichen, dass er einen Überraschungsangriff starten sollte.
Der Kampf verlief gut und Mograine fiel, als sich plötzlich die Tür hinter dem Altar öffnete und eine Frau hinausgestürmt kam.
„Stehe auf, mein Held!“, schrie sie mit schriller Stimme und ließ in Mograins Körper Leben zurückkehren noch bevor die drei etwas unternehmen konnten.
Es folgte ein langer harter Kampf, doch schließlich sollten sie siegen.

Tsimmi, der einen natürlichen siebten Sinn für Verborgenes zu haben schien, führte sie zu einer Geheimtür, die sich hinter dem Altarraum befand. Dort fanden sie eingesperrt einen Untoten in den Gewändern des scharlachroten Kreuzzugs.
Tsimmi und Kondo schien das nicht zu stören. Der Untote konnte sich ihnen gegenüber kaum wehren.
Doch Xoranya ließ der Gedanke keine Ruhe, warum der Kreuzzug einen Untoten am Leben lassen sollte. Gehörte er etwa zu ihnen? Warum sperrten sie ihn dann ein?

Als sie das Kloster wieder verließen schwirrten lauter Fragen in Xoranyas Kopf. Dabei hatte sie eigentlich gehofft, hier Antworten zu bekommen.
Nachdem Tsimmi sich verabschiedet hatte, schaute Kondo Xoranya sorgenvoll an.
„Du machst dir zu viele Gedanken, Liebste!“, er nahm ihre Hand. „Diese Menschen haben vielleicht einst für das Licht gekämpft, aber nun sind sie vom wahren Weg abgekommen und morden wahllos. Es war richtig, ihre Basis auszulöschen!“
Xoranya nickte widerstrebend. „Du wirst Recht haben. Lass uns Raleigh Bericht erstatten.“
Beide schwangen sich auf ihre Schlachtrösser und ritten nach Süderstade zurück.

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